Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Neue Strategie der Abtreibungsgegner?

Der Verein „Für Mutter und Kind“, der mit seiner extremen Abtreibungsverbots-Initiative am 2. Juni 2002 totalen Schiffbruch erlitt, liebäugelte kurz nach der Abstimmung bereits mit einer neuen Volksinitiative. Sie solle dafür sorgen, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt werden müssen, wurde verkündet. Ganz nach amerikanischem Muster möchten sie also über Nebengeleise versuchen, Abtreibungen zu verunmöglichen. Anfang 2006 war aber immer noch Funkstille.

In der Schweiz ist der Schwangerschaftsabbruch seit 1981 eine Pflichtleistung in der Grundversicherung. Das wollen die Abtreibungsgegner jetzt ändern.

Auf dem Buckel benachteiligter Frauen

Ihr Ansinnen zeugt von wenig sozialer Gesinnung. Sie interessiert nur der Embryo. Um das Schicksal ärmerer Frauen foutieren sie sich. Wie die Erfahrung lehrt, haben gut situierte Frauen seit jeher meist einen Weg gefunden, um ungewollte Schwangerschaften abzubrechen. Hohe Preise auf dem „schwarzen Markt der Abtreibung“ oder im Ausland waren für sie nie ein Hindernis. So kostete in der Schweiz in den 70er Jahren ein Schwangerschaftsabbruch bei einem Arzt teilweise mehr als heute, weil der Eingriff noch nicht durch die Versicherung vergütet wurde und es daher keine Krankenkassentarife gab. Ärmere Frauen suchten deshalb Hilfe bei billigeren Hintertreppen-Scharlatanen oder versuchten es selbst, oft mit grauenhaften Folgen.

Was passiert, wenn ein fachgerecht durchgeführter Schwangerschaftsabbruch für gewisse Frauen nicht mehr bezahlbar ist, demonstrieren die USA. Dort haben die Abtreibungsgegner erreicht, dass minder bemittelte Frauen einen Schwangerschaftsabbruch aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Dies ist der Grund, weshalb in den USA Pfuscher-Abtreibungen immer noch vorkommen. Ein besonders dramatischer Fall machte Schlagzeilen: Eine junge Frau schoss sich im 6. Schwangerschaftsmonat aus Verzweiflung in den Bauch, weil sie das Geld für den Eingriff nicht aufbringen konnte.

Eine ungewollte Schwangerschaft ist immer ein gesundheitsschädigender Zustand. Der Schwangerschaftsabbruch ist daher ein therapeutischer ärztlicher Eingriff und dient der Wiederherstellung der physischen und psychischen Integrität der Patientin. Er muss daher von der Krankenversicherung vergütet werden. Auch wenn jetzt eine Fristenregelung gilt.

Faule Werbetricks

Im Moment propagieren „Mutter und Kind“ und der Verein Pro Life eine Krankenversicherung über einen Kollektivvertrag mit verschiedenen Krankenkassen. Die Mitglieder müssen sich verpflichten, nie die Bezahlung eines Schwangerschaftsabbruchs zu beanspruchen. Dafür werden günstige Prämien versprochen. Die Prämie für SHMK- und Pro Life-Mitglieder ist aber in der Grundversicherung um keinen Rappen günstiger als für andere bei derselben Kasse (Provita, Sansan) versicherte Personen - die Vergünstigungen betreffen nur die Zusatzversicherungen. Pro Life-Mitglieder zahlen sogar zusätzlich einen Vereinsbeitrag. Für Leute ohne minderjährige Kinder gibt es keine zusätzlichen Versicherungsleistungen aus der Vereinskasse. Und: wenn ein Mitglied doch eine Schwangerschaft abbricht, muss die Kasse trotzdem zahlen. Die Verzichtserklärung ist rechtlich nicht verbindlich.

Ende Oktober 2006 haben die Kassen KPT, Konkordia, Provita und Intras ihre Kollektivverträge mit der SHMK aufgekündet. Sansan/Helsana hingegen geschäftet weiter mit Pro Life.

Neue Mitglieder werden bei Pro Life mit Lügen-Märchen von angeblich horrenden Kosten der Abtreibung angeworben: „Für beinahe jede Frau hat eine Abtreibung Folgen. Es werden oft über Jahre hinweg Behandlungen notwendig. Wen wundert's dann, dass von wirtschaftlichen Folgekosten von ca. Fr. 100'000.- pro Abtreibung zu hören ist. Auch diese bezahlen grösstenteils die Krankenkassen.“ - wer's glaubt....

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Die Gegnerschaft