Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

 

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Es ist gut so wie es ist

Susanne
Vielen Dank für diese Seite. Ich lese seit einigen Tagen hier die Erlebnisse dieser Frauen, die sich auch für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben. So wie ich. Es gibt mir Kraft, Mut und Durchhaltevermögen bis ich meinen Termin habe.
Ich bin 36 Jahre alt. Habe schon 4 Aborte gehabt mit jeweils einer Curettage zum Abschluss. Jetzt bin ich in der 10. Woche schwanger mit dem Kind meiner grossen Liebe. Meinen Partner kenne ich seit 15 Jahren. Wir verliebten uns so sehr ineinander damals vor 15 Jahren..... Er war bereits verheiratet und erwartete ein Kind. Für mich war es klar, dass ich die Finger von ihm lassen muss. Sehr traurig darüber nahmen wir Abschied. Für immer! Niemals hätten wir gedacht, dass wir uns wieder sehen und ein Paar werden.
Jahre vergingen und ich lernte mit 27J einen Mann kennen, mit dem ich 7Jahre eine halbwegs intakte Beziehung führte. Damals liess ich alles hinter mir und zog 100km weg von meiner Heimat. Mit 30J dann meine erste Schwangerschaft. Sehr erfreut war ich nicht darüber und mein damaliger Partner auch nicht. Es war nicht geplant und er war auch nicht bereit dafür. Ich für meinen Teil verspürte nie wirklich den Herzenswunsch, ein Kind zu bekommen. Trotz allem entschieden wir uns für das Kind. Allmählich freuten wir uns auch auf den kleinen Knopf. In der 8. Woche beim ersten Ultraschall sagte mir die Ärztin, dass etwas nicht stimmt mit der Einnistung des Embryos. Für mich brach eine Welt zusammen.......Es war eine Blasenmole. Mir war extrem übel, schwindlig und elendig zu mute. Bald schon hatte ich einen Termin zur Curettage. Nach zwei Monaten noch eine OP, da die Blasenmole wieder gewachsen war. Es war Horror pur. Doch alles in allem war ich gefasst und recht ruhig. Irgendwie war ich froh und erleichtert, da ein Kind noch nicht geplant war. Und wir zuerst sparen, unsere Beziehung klar bekommen und eine passende Wohnung wollten........
Dann beim der nächsten Kontrolle war die Blasenmole immer noch da. Da die Ärzte eine weitere Curettage zu riskant fanden, musste ich statt dessen starke Medikamente einnehmen und mir war sehr oft übel. Ich plagte mich viele Wochen damit, ins Krankenhaus zu fahren und mir diese schrecklichen Medis reinspritzen zu lassen.
Nebst den schlimmen Nebenwirkungen verkleinerte sich der Tumor nur sehr langsam. Ich hatte irgendwann einfach genug und entschied mich dann für eine Krebsklinik bei Innsbruck. Dort wird ausschliesslich mit pflanzlichen Methoden therapiert und so haben wir den Tumor in zwei Wochen besiegt. Es war eine schlimme Zeit. Ich wollte nie mehr so etwas erleben.
Zwei Jahre später war ich wieder schwanger. Hatte allerdings noch vor dem ersten Ultraschall einen kompletten Abort auf der Toilette.
Ein Jahr später dann wieder einen positiven Schwangerschaftstest. Damals wollte ich schon nicht mehr. Ich dachte, diesmal ist aber das letzte Mal. Dann lasse ich mich unterbinden. Das Kleine war in der 10. Woche bereits tot. Wieder eine Curettage. Wieder Spital, wieder Vollnarkose, wieder dieser Schmerz, eins verloren zu haben. Selbstzweifel kamen hoch. Ich versuchte alles zu verstehen.
Ich habe danach endgültig mit dem Thema Kinderwunsch, den ich eh nie richtig von Herzen verspürte, abgeschlossen.
Es war absolut stimmig für mich. Die Beziehung mit diesem Mann ging in die Brüche. Wir hatten zu viele Probleme. Und vor allem hatten wir uns schon längst auseinander gelebt. Es war Zeit für ein neues Leben.
Ich wechselte den Job und zog wieder zurück in meine alte Heimat. Mit mir meine zwei wunderbaren Hunde.
Ich wollte sparen, leben, regenerieren und schlussendlich auswandern.
Vor 15 Monaten dann, Gott wollte es so, traf ich meine damalige Jugendliebe wieder. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir hatten uns wieder und ich wusste, das ist er. Der Mann mit dem möchte ich alt werden. Auch Kinder waren auf einmal wieder Thema. Da mein Partner noch in der Scheidung ist wollten wir warten, bis alles vorbei ist. Dazu gab es einige andere Themen, die zuerst geklärt werden mussten so wie Jobsituation, Wohnungswechsel, Finanzen. Da wir beide doch schon 35J alt sind, dachten wir, besser jetzt als noch später. Ich wollte nie so spät noch Kinder. Und er eigentlich auch nicht. Also planten wir und wünschten uns dieses Kind sehr. Es ging ganz schnell. Ich war schwanger. Trotz extremer Übelkeit und starken Unterleibsschmerzen war ich positiv eingestellt. Wir beide würden es schaffen. Auch die Ärzte meinten, dass alles in Ordnung sei diesmal. Wegen meiner Vorgeschichte wurde ich schon ab der 6.Woche 100% krank geschrieben. Für eine Frau, die so gerne arbeitet wie ich, eine schlimme Strafe. In der 13. Woche dann ein kompletter Abort. Curettage. Wir waren sehr traurig. Für mich war klar, das war das letzte Mal. Endgültig lasse ich mich unterbinden. Auch mein Partner war der selben Meinung.
Die Ärzte ermutigten mich zu diversen Untersuchungen, um herauszufinden, warum ich jeweils die Frucht so früh verliere.
Über 5 Monate liess ich zum Teil sehr teure Tests und Untersuchungen über mich ergehen, die ich irgendwann gar nicht mehr wollte. Ich wollte einfach meinen Partner geniessen und endlich leben.
Ausser eine Gerinnungsstörung fanden sie auch nichts heraus. Alle ermutigten mich, es nochmals zu versuchen. Auch die Ärzte sagten, sie können ohne weiteres noch Kinder bekommen. Da ich dann im Oktober noch einmal curettiert werden musste, verschoben wir das mit der Unterbindung. Mein Zyklus war so durcheinander wegen der OP, dass unsere Rechnung mit dem Eisprung und der Verhütung nicht mehr zusammen passte. Ich vertrage die Pille nicht. Auch die Spirale hatte ich schon ausprobiert. Die gleichen Nebenwirkungen wie bei der Pille.
Also war ich im November wieder schwanger. Oh Gott! Nein! Wir wollten doch nicht mehr. Was machen wir jetzt. Abtreibung kommt nicht in Frage. Oder doch? Ich wollte von Anfang an keine Beziehung zu dem kleinen aufbauen, da ich mir sicher war, dass ich es eh wieder verlieren würde. Bloss nicht zu früh freuen, bloss nicht reden mit ihm. Anfangs dachte ich, ich schaffe es. Doch als ich wieder diese starken Schwangerschaftsbeschwerden bekam, ging es rasant abwärts mit meiner Psyche. Starke Übelkeit, Rückenschmerzen und schlaflose Nächte plagen mich. Ich mag meinen Partner nicht riechen, meine Hunde nicht anfassen, nicht duschen, nicht Zähne putzen, Haare nicht mehr waschen. Ich fühle mich mehr wie ein Tier als ein Mensch. Natürlich bin ich wieder 100% krank geschrieben wegen meiner Vorgeschichte. Ich bin total verzweifelt. Ich kann nichts tun, aber ich empfinde überhaupt nichts für dieses kleine Ding.  Mein Partner verstand die Welt nicht mehr, als ich ihm sagte, dass ich es nicht haben will. Doch auch er hatte sich im Sommer gegen weitere Kinder entschieden und  verstand schnell, wie es um mich stand. Ich bemühte mich, sehr positiv zu denken. Nebst den nur schwer ertragbaren Beschwerden empfinde ich eine Abneigung gegen das Kind. Es ist echt schlimm. Ich mag nicht mehr und will nicht mehr. Ich fühle mich so schlecht wegen meiner Entscheidung . Die Abtreibung, aber ich will es einfach nicht. Die Schwangerschaft, das Kind, dieses Leben.
Irgendwie kann ich es nicht richtig in Worte fassen. Aber ich will einfach nicht.
Heute war ich mit meinem Partner bei einer Beratungsstelle um alles zu besprechen. Die Frau war unendlich nett zu uns und hat uns alles erklärt und mit uns beide Wege durchbesprochen. Unser Entscheid steht fest und wir sind echt erleichtert.
Vor der OP habe ich keine Angst. Eine Curettage ist Routine für mich. Nun warte ich auf einen Termin.
Ich freue mich auf unsere Leben, wenn alles vorbei ist. Wenn endlich Ruhe eingekehrt ist.
Zwei Wochen später:
Ich bin vor eine Woche operiert worden. Ich war in der 10. Woche. Die Ärzte wollten mich allerdings nicht zugleich unterbinden. Nach zwei stündigem Gespräch konnte ich sie doch überzeugen, dass ich mir ganz sicher bin, dass ich keine Kinder mehr will und dass ich einfach meine Ruhe haben möchte in dem Thema. Sie glauben nicht was für ein schwerer Stein von mir gefallen ist. Ich spüre mich wieder, meinen Partner, meine Hunde. Ich kann wieder leben, lachen und geniessen. Ich kann wieder geben und zuhören. Ich weiss, dass es in diesem Leben noch viele sinnvolle Aufgaben für mich geben wird, anstatt  Kinder zu haben. Und ausserdem hat mein zukünftiger Mann schon eine Tochter. Sie will leider nicht mit uns reden, da sie sich ab mir stört. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sie wenigstens meinen Mann wieder sehen und mit ihm Zeit verbringen will.
Die Situation hat sich entspannt. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Bis jetzt bereue ich den Abbruch nicht. Es gibt allerdings Momente, in denen ich etwas unsicher bin. Es fühlt sich an, als ob ich meinen Selbstwert etwas verloren habe. Tief in mir drin hat sich schon etwas verändert. Ich kann es noch nicht in Worte fassen. Jedenfalls habe ich wieder Ziele, Freude, Kraft und Spass für unsere Zukunft. Jeder Frau, die sich für den Abbruch entscheiden will, rate ich, ganz tief in sich zu hören und unbedingt an ein Beratungsgespräch zu gehen. Normalerweise sind die Beraterinnen sehr neutral und gehen sehr gut auf einen ein. Auch rate ich, sich Zeit zu lassen und ganz viel mit dem Partner zu reden, wenn möglich. Ich habe auch sehr viel gebetet und bin in mich gegangen in einer Meditation oder einfach inne halten und hinein hören, spüren. 
Für die Unterbindung gilt das gleiche. Mit dieser OP hat sich mein Lebensweg plötzlich nur noch in eine Richtung eingeschlagen. Es ging ganz schnell. Vorher hatte ich immer diese zwei Möglichkeiten. Eine Familie mit Kindern oder aber eine Familie mit meinem Mann. Beide Wege haben sich immer gut angefühlt für mich. Es ist mir immer sehr schwer gefallen, welchen ich jetzt nehmen möchte. Mit 36 Jahren will man sich irgendwann entscheiden. Durch meine lange Leidensgeschichte ist  mir nun die Entscheidung nicht leichter gefallen, aber der Ablauf nach der Entscheidung war für mich von Anfang an klar. Es ist gut so wie es ist.


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