Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Erfahrungsberichte von Frauen (Archiv-5)

Ada
Ich habe mich so gefreut. Es war ein Wunschkind. Mein Wunschkind. Mein Freund und ich waren erst kurz zusammen und er leider nicht so begeistert wie ich. Ein Abbruch? Der wäre für mich nie infrage gekommen. Das war meine Einstellung. Dass das Leben einem aber nicht immer wohlgesonnen ist, das war mir leider schon durch hinreichend andere Erfahrungen, die in meiner Kindheit begründet liegen, hinlänglich bekannt. Ich war erschrocken, als mein Freund das Thema Abbruch ansprach. Er würde mir die Entscheidung überlassen und zu mir stehen, wie ich mich auch entscheide, aber allein dass er das in Betracht zog, hat mir sehr weh getan. Ich wollte mein Baby, aber es kamen erste Zweifel. Wir konnten uns kein Kind leisten. Warum um alles in der Welt wurde mir das erst jetzt bewußt? Wir hatten bereits 3 Kinder unterhaltspflichtig zu versorgen und hatten gerade genug, um selbst über die Runden zu kommen. Obwohl wir beide einen Job haben, mein Freund in Voll-, ich in Teilzeit. Ich hätte wenigstens ein Jahr aussetzen müssen, was finanziell aber gar nicht gegangen wäre. Ohne eine Familie im Hintergrund, die uns hätte helfen können, undenkbar. Noch dazu meine Einstellung, dass ich in den ersten 3 Lebensjahren gern für mein Kind da sein und es nicht in fremde Hände abgeben möchte. Sollen andere zusehen, wenn mein Kind die ersten Schritte macht? Ein für mich schrecklicher Gedanke. Außerdem wären uns auch dann, wenn ich weiter arbeiten gegangen wäre, keine ausreichenden Mittel zur Verfügung gestanden, um einigermaßen gut leben zu können - und ich spreche nicht von Luxus! Nachdem ich mich in eine Rehamaßnahme zu begeben hatte, konnte ich vor Ort ein Beratungsgespräch wahrnehmen, denn auch meine behandelnden Ärzte plädierten für einen Abbruch, angesichts meiner gesundheitlichen Verfassung.
Mich überkamen derweil die ersten Beschwerden, die mit einer Schwangerschaft einhergehen können, doch ich nahm diese an, hatte den Eindruck, das alles sei ein Zeichen für eine gesunde Entwicklung meines Kindes. Den ersten Herzschlag hatte ich in der 8. SSW voller Freude zur Kenntnis genommen und danach den 1. Schnuller und zusätzliche Vitamine gekauft für mein ungeborenes Baby, das ich bereits sehr in mein Herz geschlossen hatte. Das Beratungsgespräch, von dem ich mir erhofft hatte, es würde mir Wege aufzeigen, mein Baby trotz finanzieller und gesundheitlicher Probleme (keine, die das Heranwachsen des Ungeborenen direkt beeinflusst hätten) bekommen zu können, notfalls auch ohne den Kindesvater, von dem ich mich ein Stück weit verraten gefühlt hatte. Aber nein, mir wurden keinerlei Möglichkeiten aufgezeigt! Nichts. Ich habe dort 2 Stunden zugebracht, geweint, meine an sich ausweglose Situation thematisiert um dann ohne jede Hilfe, die ich mir so sehr gewünscht hatte, wieder in die Rehaklinik zu fahren. Allein. Mit dem Taxi. Ohne meinen Freund, ohne meine Freundinnen. Die Schnur zog sich immer und immer weiter zu und ich musste eine Entscheidung treffen. Viel Zeit blieb nicht mehr und die Ärzte tendierten weiterhin dazu, das Kind in meiner Situation nicht zu bekommen.
Es war eine Vernunftentscheidung. Keine, die von Herzen kam. Unserem Kind hatten wir sogar schon einen Namen gegeben und ich ein erstes Bild für das Kinderzimmer gemalt. Wir gingen davon aus, dass es ein Mädchen wird und ich malte mir die Zeit, die kommen würde, rosarot. Aber in Anbetracht aller Tatsachen war sie das nicht. Nicht wie damals, als ich meine beiden anderen Kinder bekommen habe. Da war ich jung, gesund oder zumindest noch nicht so krank, wie ich es jetzt war und die finanziellen Verhältnisse waren gut genug, um sich ein Leben mit Kindern aufbauen zu können. Das alles war jetzt nicht mehr der Fall. Ich war eine Spätgebärende mit einem chaotischen Leben. Für das Chaos konnte ich selbst am allerwenigsten, aber wird man danach gefragt? Ein Abbruchtermin wurde vereinbart und noch heute frage ich mich, ob es ein Zeichen war, dass das Taxi nicht kam, das die Rehaklinik bestellt hatte, um mich in die 60 km entfernte Klinik zu fahren. Wieder allein. Vom Vater meines Kindes hatte ich mich zwischenzeitlich per SMS getrennt. Was wäre geworden, hätten er und ich die Möglichkeit gehabt, einfach mal persönlich miteinander zu reden?! Hätten wir uns vielleicht doch f ü r unser Kind entschieden?
In der Klinik waren alle furchtbar lieb zu mir. Als ich weinend, mehr schreiend auf dem Stuhl saß und man vergeblich versuchte, mir eine Infusion zu legen (die Venen waren alle verschwunden aufgrund meiner Panik), strich der Arzt mir sanft über den Kopf und sagte, versuchen Sie etwas Schönes zu träumen. Es war wirklich lieb gemeint, das habe ich gespürt. Ich wachte auf. Allein. Nur Schwestern, die sich aber liebevoll um mich kümmerten. Diese Leere. Es war schrecklich. Dann kam das Taxi, um mich zurückzubringen. Mit meinem Freund bin ich wieder zusammen. Ich habe nicht damit gerechnet, aber als ich ein letztes Mal persönlich mit ihm sprechen und mich von ihm verabschieden wollte, da merkte ich, wie sehr ich ihn liebe. Konnte ich wirklich wieder mit ihm zusammen sein? Ja, ich konnte. Und ich kann. Wir haben uns ausgesprochen. Wir lieben uns. Ein gemeinsames Kind zur Krönung unserer Liebe wird es nicht geben, aber wir haben uns. Wir haben eine furchtbare Erfahrung gemacht, die wir einander gern erspart hätten, aber wir hätten unserem Kind nicht geben können, was es verdient hätte. Und auch hier möchte ich noch einmal betonen, ich spreche nicht von Luxus. Viel mehr fühle ich mich allein gelassen von diesem Land. Immer wird gesagt, dass Frauen Kinder bekommen sollen, aber helfen, helfen tut einem keiner. Ich wünschte, ich hätte diese Erfahrung nicht machen müssen. Das Ganze ist jetzt annähernd 1 Jahr her und ich erwäge, mir professionelle Hilfe zu holen. Abbruch, ja, wenn es nicht anders geht. `Frau`muss mit den Folgen leben. Man sollte sich schon sehr sicher sein.


Fiona
Alter 19 J., wohne bei meinen Eltern, in Ausbildung.
Heute am 9.10.2014 hatte ich meine medikamentöse Abtreibung in der Frauenklinik Basel. Ich und mein Freund (17 J. und seit einem Jahr zusammen) haben vor der Schwangerschaft mit Kondom und der Zählmethode verhütet. Als Info vorab, er ist mein erstes Mal und ich seins, davor war niemand. Jedenfalls wollte ich bei der nächsten Menstruation eine neue Verhütungsmethode beginnen, den Nuva-Ring, doch leider kam es zur Empfängnis. Ich hatte schreckliche Angst, denn ich wusste nicht, was los war, ob sich meine Periode verspätet, wie es davor schon oft vorkam. Da ich schnell merkte, dass was nicht stimmt, haben wir uns einen Schwangerschaftstest geholt, der 1-2 Wochen positiv anzeigte. Für uns begann der Horror, da meine Eltern noch in den Ferien waren. Es war klar, dass ich es nicht behalten konnte, zu jung, zu unerfahren und auch mein Freund wusste, dass dies nicht möglich ist. Seine Eltern dürften nie davon erfahren, da sie strenge Ansichten haben und wir nicht wussten, was geschehen würde, wenn sie es herausbekämen.
Ich kontaktierte meine Psychologin und danach auch meine Mutter. Als sie eine Woche später wieder da war, machten wir unverzüglich den Termin für das Frauenspital ab. Ich bekam 2 Termine mit Gesprächsstunden. Die behandelnden Ärzte waren sehr zuvorkommend, freundlich und haben mir nichts eingeredet. Ich bin im nachhinein sehr froh darüber. Ich bekam dann die Mifegyne-Tabletten und zwei Tage danach Cytotec und Schmerzmittel. Ich war sehr verängstigt, dachte, ich würde die schlimmsten Schmerzen die ich je hatte erleben. Es war auch recht happig, es fühlte sich an wie sehr starke Menstruationsbeschwerden. Wenn es gut läuft, soll es in 3 Stunden ausgeschieden werden, ich brauchte aber mehr Zeit und bekam nochmals von diesen Medikamenten. Zum Glück war mein Freund für mich da, wir haben das auch nicht zuhause gemacht, sondern in der Klinik, da ich Angst hatte vor der Reaktion von meinem Bruder. Die Schmerzen waren am Anfang sehr stark, jedoch schaffte ich es, dank dem Beistand meines lieben Partners. Ohne ihn hätte ich das Ganze wahrscheinlich als Hölle empfunden, was aber seelisch bedingt war. Ich habe nichts gespürt, nichts gefühlt, als das Embryo und der ganze Inhalt rauskam. Ich habe es mir nicht angeschaut, was mir auch gut tat, denn vielleicht hätte ich dann Gewissensbisse bekommen. Ich weiss noch nicht, ob es Nebenwirkungen haben wird. In 2 Wochen muss ich zu einer Nachkontrolle, wenn bis dann alles in Ordnung ist, wird sich mein Körper wieder erholen.
Vor der Behandlung hatte ich Angst und Zweifel, auch meinen Partner trifft es stark. Wir haben darüber geredet wie es wäre, das Kind zu haben, es grosszuziehen. Doch die Entscheidung war von Anfang an klar. Die Umstände in meiner Familie sind schlecht, ich glaube, wenn ich es behalten hätte, hätte ich allen geschadet. Aber nicht nur das, ich wäre wahrscheinlich selber an dieser Verantwortung zerbrochen. Ich muss laufen lernen, bevor ich einem Kind das Laufen beibringen kann, ich muss zuerst auf der Welt Fuss fassen, dann kann ich auch einem Kind alles bieten.
Momentan, gerade nach dem Abbruch, muss ich sagen, dass ich mich sehr gut fühle. Ich habe die Periode vermisst, da es für mich einfach natürlich geworden ist, im Gegensatz zu dem Embryo, der sich einfach so unerwartet in mir gebildet hat.
Ich schäme mich nicht und es hat mich sehr erschüttert, als ich im Internet nur diese ekelerregend konservativen Seiten gefunden habe, die bloss über Beispiele von Spätabbrüchen berichten und allen ihren Irrglauben aufzwingen wollen. Sowas schadet einer ungewollt Schwangeren einfach und verwirrt ihre wahre Meinung. Um so mehr bin ich glücklich, über diese Seite gestolpert zu sein, ich hoffe ich kann mit meinem Bericht anderen Frauen helfen, ihre Angst ein wenig nehmen, da der Abbruch nicht so grausam ist, wie die möchtegern Lebensretter immer behaupten. Der Mensch, der das Embryo in sich trägt, hat auch Rechte und wenn der Fehler geschah und es nicht anders geht, ist es nicht verwerflich, solange man die Abtreibung nicht als eine Verhütungsart ansieht, denn das wäre falsch.
Ob ich dennoch die Sache bereue, werde ich sehen. Doch ich glaube, dass ich es überstehe. Es geht weiter, ein neuer Tag bricht an.


Gitta
Ich bin 21 und studiere ab Oktober im fünften Semester Gesellschaftswissenschaften. Ich lebe alleine und habe keinen festen Freund. Ich treffe mich seit einigen Monaten mit einem Mann, den ich sehr mag und wir haben auch regelmäßig Sex miteinander. Ich hatte vor einigen Monaten einen Eierstock verloren und hatte deshalb die Pille abgesetzt. Im ersten Monat als ich die Pille wieder genommen hatte, hatten wir nebenbei noch mit Kondomen verhütet, im zweiten Monat haben wir dann nur noch mit der Pille verhütet. Ich weiß nicht genau was schief gegangen ist, aber ich bin schwanger geworden. Vier Wochen nach der Empfängnis spürte ich die ersten Anzeichen. Meine Periode ist ausgeblieben, nur dachte ich mir nicht viel dabei, denn das ist sehr variabel bei mir. Mal kommt sie eine Woche eher, dann mal eine Woche später. Ich dachte sogar eher daran, wieder Schwierigkeiten am Unterleib zu haben bzw eine Magen-Schleimhautentzündung, als schwanger zu sein.
Für mich war das unmöglich. Als mich dann ständige Übelkeit überkam, ging ich zu meiner Hausärztin, sie dachte ich hätte eine Magen-Schleimhautentzündung und schrieb mich krank. Nachdem die verschriebenen Medikamente 4 Tage keine Wirkung zeigten, habe ich einen Schwangerschaftstest gemacht. Und der war natürlich positiv. Ich erinnere mich sehr gut daran, es war an einem Freitag. Ich war komplett hilflos und geschockt, eine ganze Welt brach über mich zusammen. Alte Reflexe aus Jugendzeiten kamen in mir hoch und ich hätte am liebsten gegen die Wand geschlagen. Ich habe meiner vorhin benannten Romanze bescheid gegeben, er hat sehr sanft und verständnisvoll reagiert. Er signalisierte mir, dass er - egal was auch kommt - hinter mir stehen würde. Das gab mir unendliche Kraft. Erst rief ich bei einer Notfallnummer der Telefonseelsorge an. Die Beraterin sagte mir, was ich nun tun musste um einen Abbruch bekommen zu können. Denn das war es, was ich wollte. Ich habe keinen Moment daran gedacht, dieses Kind zu bekommen. Am gleichen Tag konnte ich einen Termin für den kommenden Montag beim Frauenarzt bekommen. Einen Tag später hatte ich einen Termin bei der Beratungsstelle und erhielt diesen Berechtigungsschein. Eine Woche danach hatte ich den Termin in einer ambulanten Praxis und liess den Abbruch vornehmen. Und es war das Richtige. Ich denke auch nicht, dass ich es bereuen werde.


Heike, 17 Jahre
Ich habe am Freitag, den 8.8.2014 in der 11. SSW abgetrieben. Anfangs dachte ich, dass meine Entscheidung die richtige ist. Ich dachte ich könnte ihm nix bieten. Ich bin im 2. Lehrjahr als Mediengestalterin. Meine Familie hat sich von mir vor einiger Zeit abgewendet. Der einzige mit dem ich darüber sprechen konnte, war mein Ex-Freund. Dieser war natürlich von Anfang an für eine Abtreibung. Ich allerdings nicht. Für mich kam das eigentlich niemals in Frage. Doch es sprach so viel gegen das Kleine.
Tja und jetzt sitze ich hier, habe Schmerzen und werde mit dem Weinen nicht fertig. Ich bereue es zu tiefst. Mir fehlt das Gefühl zu wissen, nicht alleine zu sein. Zu wissen, dass ein kleines Leben in mir wohnt, das mein eigenes Fleisch und Blut ist.
Aber auch wenn ich es jetzt versuche an die Gründe zu denken, die mich für eine Abtreibung entscheiden liessen, kann ich es nicht. Sie scheinen sinnlos und total übertrieben.
Ich werde mit dem Gedanken nicht fertig, MEIN Kind umgebracht zu haben.
Es war meine Entscheidung, sein Leben zu beenden. Ohne daran zu denken, wie schön es doch ist, das Lachen seines Kindes zu sehen, es auf dem Arm zu  halten, zu beschützen und es durchs Leben zu führen.

Liebe Heike,
Du hast uns kurz nach deinem Schwangerschaftsabbruch geschrieben, da warst du vermutlich noch unter dem Einfluss der hormonellen Veränderung. Ich hoffe, dass es dir jetzt besser geht. Wenn nicht, solltest du unbedingt in eine Beratung gehen.
Du hast meines Erachtens eine sehr vernünftige Entscheidung getroffen. Ein Kind in so jungen Jahren ist eine unglaubliche Belastung, ohne abgeschlossene Ausbildung, ohne festen Partner, ohne Familie, die dich unterstützt.
Du hast nicht ein “Kind umgebracht”. Du hast eine ungewollte Schwangerschaft beendet, weil du eben gerade nicht wolltest, dass ein Kind wird. Du hast noch lange Zeit vor dir um später, unter besseren Bedingungen, ein Kind zu bekommen. Konzentriere dich auf deine Ausbildung und mach was aus deinem Leben. A.M.Rey

Binia
Vor 6 Tagen war ich zu einer Routineuntersuchung bei meiner Frauenärztin. Meine letzte Regel war ausgeblieben, aber da ich gerade eine ziemlich stressige Zeit durchlebe und mir das schon mal passiert ist, dass meine Periode einfach mal für 3 Monate!!! ausblieb (die ganzen Schwangerschaftstests in dieser Zeit waren immer negativ), dachte ich erst mal nichts weiter. Ich war auch einfach überzeugt, dass ich nicht schwanger sein könnte, weil ich mit dem Nuva-Ring verhüte. Die Ultraschalluntersuchung ergab: 12 Wochen und 3 Tage schwanger! Ich dachte ich sterbe. Ich hatte noch 2 mal meine Periode bekommen, obwohl ich schon schwanger war. Meine Frauenärztin ist sehr Pro-Kinder eingestellt, was man unter anderem daran gemerkt hat, dass sie bei jeder Kontrolluntersuchung nachfragte, wann es denn endlich mit Kindern losgehen würde. Auf meine Frage, ob ich jetzt noch abtreiben könnte antwortete sie erst mal einfach mit „Ne“. Als ich dann anfing zu heulen, rief sie einen Kollegen an und fragte ihn am Telefon, ob er das noch machen würde in der 13. Woche. Sie sagte mir, dass ich, wenn ich den Abbruch wünsche, heute noch zum Beratungsgespräch müsse, weil nach dem Gespräch bis zum Termin 3 Tage Bedenkzeit vergehen müssen und ich eigentlich keine Zeit mehr habe
[in Deutschland gilt die Fristenregelung bis Ende 14. Schwangerschaftswoche. Es ist - im Gegensatz zur Schweiz und Österreich - ein Beratungsgespräch vorgeschrieben. Anm.d.Red.]. Das Ultraschallbild hatte sie mir ohne nachzufragen ausgedruckt und mitgegeben. Sie verabschiedete mich mit den Worten: Sie hofft ich entscheide mich gegen einen Abbruch. Ich bin sofort zum DRK für das Beratungsgespräch. Die Frau dort meinte, normalerweise sollen die Frauen erst eine Nacht drüber schlafen, machte aber in meiner Situation eine Ausnahme. Ich war völlig zerstört und bin dieser Frau unglaublich dankbar, weil sie mich erst mal aufgefangen hat. Sie war sehr sachlich und neutral und gab mir Anstöße zum Nachdenken, die mir bezüglich der Entscheidung helfen sollten.
Ich war wirklich ambivalent am Anfang. Ich bin schon 28...aber sie meinte, sie hat ihr gesundes Kind mit 34 bekommen. Ich hatte Angst, ich könnte vielleicht nicht mehr schwanger werden, wenn ich abtreibe. Sie meinte, sie könne mir die Angst nicht völlig nehmen, weil immer etwas passieren kann, aber in 12 Jahren, in denen sie beim DRK arbeitet, sind 2 mal Leute gekommen, die nach einem Abbruch Probleme hatten, wieder schwanger zu werden. Und das muss nicht am Abbruch liegen. Danach ging es mir erst mal ein bisschen besser. Ich fuhr sofort ins Krankenhaus für das Narkosevorgespäch, damit alles geklärt ist, sollte ich mich für den Abbruch entscheiden. Dort wurde es wieder schlimmer. Die Assistenzärztin wollte nochmal einen Ultraschall durchführen, um es selbst zu sehen. Als ich auf die Frage, ob ich mitgucken will, erwiderte: „Lieber nicht“, ließ sie es sich trotzdem nicht nehmen mir zu sagen, dass das Kleine gerade so rumzappelt und dass es völlig gesund sei.
Am selben Tag habe ich dann meinen Freund, meine Schwester und meine Eltern eingeweiht. Mein Freund meinte, er will Kinder mit mir, aber er will auch für seine Familie sorgen können (wir sind beide noch nicht fertig mit dem Studium) und ist jetzt zu diesem Zeitpunkt eher dagegen, wenn ich das Kind aber unbedingt haben will, ist er dabei. Meine Eltern haben beide unabhängig voneinander gleich reagiert, als ich sie heulend umarmt habe und meinte ich bin schwanger: „Und warum weinst du da? Warum ist das schlecht?“ Im Prinzip haben mir alle Unterstützung zugesichert. Wir haben viel geredet an dem Abend und vor dem Schlafen gehen war meine Tendenz: Abbruch. Am nächsten morgen war ich mir sicher.
Gestern hatte ich den Eingriff und es ist alles komplikationslos verlaufen. Mein Freund hat mich hingefahren und war die ganze Zeit und auch die nächsten 24 Stunden da, in denen man nicht allein sein darf. Ich bin übermäßig erleichtert, habe keine Schmerzen, mir geht es gut und ich bin mir sicher, dass ich nicht anfangen werde zu zweifeln, weil es jetzt einfach nicht in mein Leben gepasst hätte.
2 Sachen: 1. Ich verstehe, dass ein Schwangerschaftsabbruch sich gegen den Grundsatz eines jeden Arztes stellen kann, aber ich habe kein Verständnis dafür, jemanden durch „ein schlechtes Gewissen machen“ davon überzeugen zu wollen, etwas zu tun, was man eigentlich nicht will! Also macht, was ihr für richtig haltet! Es ist euer Leben! Ich bin unglaublich dankbar für diese tolle, sachliche Seite. Sie und die Erfahrungsberichte aller Frauen, die hier veröffentlicht wurden, haben mir mein letztes bisschen schlechtes Gewissen letztendlich genommen. Danke dafür!!
2. Ich weiß nicht, ob ich nicht doch gepatzt habe bei der Verhütung. Ich habe den Ring nach 3 Wochen abends rausgenommen und nach einer Woche abends wieder eingelegt. Ich habe nie darauf geachtet, dass es immer genau zum gleichen Zeitpunkt ist. Mal war es 20:00 mal 23:00 oder 24:00. Für mich hat das 4 Jahre super funktioniert. Das werde ich jetzt nicht mehr machen! Ich werde mir einen Wecker stellen! Auch habe ich gelesen, dass manche Medikamente die Wirkung des Rings außer Kraft setzen können. Seid sehr genau bei eurer Verhütung und schließt solche "na vielleicht hätte ich ja noch ein bisschen genauer sein können-Sachen" aus....so eine Situation mit einer ungewollten Schwangerschaft wünsche ich niemandem!!!


Juno
Seit 47 Tagen wartete ich auf meine Periode. Gut ich hatte schon mal 45 Tage gewartet, doch langsam wurde es komisch. Dann am Sonntagmorgen – Zack – positiv... Noch konnte ich das ganze gar nicht realisieren, ich dachte von dem Embryo wie von einem Alien, das sich ungefragt in mich einnistet und mein Leben zerstört, ich war hoffnungslos überfordert.
Am Mittwoch hatte ich den [in Deutschland] obligatorischen Beratungstermin... Letztendlich war es aber gut, dass uns die Psychologin so in die Mangel genommen hat, dadurch war ich mir noch sicherer, dass zwischen mir und meinem Freund alles geklärt war.
Ich hatte quälende Nächte, das Chaos an Gefühlen brach in mir aus... Keine Moralvorstellung sollte bei meiner Entscheidung eine Rolle spielen, nur mein Gefühl, selbst wenn es das egoistische Gefühl ist, nicht Mutter werden zu wollen...
Bis zum Schluss konnte ich mir nicht sicher sein, was ich wollte, immer war ich hin- und hergerissen. Ich hab das Warten und die Zweifel nicht mehr ausgehalten und habe das getan, was mir vernünftiger erschien. Ich habe mich für das entschieden, womit ich wahrscheinlich glücklicher werde....
Heute ist es fast sechs Wochen her und ich muss sagen, ich bin selbst erschüttert, wie wenig ich mich verändert habe. Ich bin davon ausgegangen, dass mich ein Schwangerschaftsabbruch zu einem anderen Menschen macht, aber so ist es nicht....
Wenn die Zeit reif ist, werde ich einmal einem Kind alles schenken was ich habe. Doch ich habe nie zweifelsfreie Freude darüber verspürt, schwanger zu sein und für meine Kinder wünsche ich mir eine glückliche und entspannte Mutter, wer weiß, ob ich je so sein kann, die Zeit wird es zeigen.
Zum ungekürzten Bericht von Juno


Anita
Ich und mein Freund haben uns Anfang dieses Jahres zu einem Abbruch entschieden. Natürlich waren vor und nach dieser Zeit unendlich viele Gefühle da, denn schwanger zu sein, war nicht geplant, nicht zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich erst noch viele andere Dinge erledigen und auch noch mehr über mich selbst klar werden muss. Und da ich sonst eine sehr verantwortungsvolle Person bin, hätte ich nie damit gerechnet, dass mir das passieren könnte.
Tränen kamen auf, als ich über den Ultraschall sah, dass da tatsächlich ein kleines Wesen in mir heranwächst und das führte dazu, dass ich noch mehr hin und hergerissen war. Denn ganz klar kamen da auch unbeschreibliche Muttergefühle auf und die Frauenärztin meinte, ich solle nichts machen, was ich später bereue. Aber leider empfand ich mehr Wut gegenüber diesem werdenden Wesen... Zum Glück aber war mein Freund eine grosse Stütze und wir haben es gemeinsam überstanden und es hat unsere Beziehung auch gestärkt.
Ich habe mich für einen ambulanten Abbruch entschieden, denn ich hatte Angst vor einer Vollnarkose und auch so lange im Spital bleiben zu müssen. Die OP ging eigentlich gut und der Arzt und Assistenten waren nett, jedoch hatte ich auch Panik, weil ich das noch nie erlebt hatte. Aber da musste ich jetzt einfach durch und alles war schlussendlich gut und ich war erleichtert und hatte auch keine grossen Schmerzen danach. Mein Freund war danach die ganze Zeit bei mir, das hat mir sehr geholfen. Heute bereuen wir es nicht! Wir waren beide erleichtert, weil wir denken, es wäre auch für dieses kleine Wesen nicht gerecht, es einfach in die Welt zu stellen! Ehrlich gesagt denke ich heute nicht mehr wirklich darüber nach, es ist ok so wie es ist! Ich meine es war ja auch ein legaler Prozess. Es gibt so viel schlimmeres auf Erden, wofür ich mich jetzt einsetze. Man sollte wirklich anderes verhindern oder verbessern und nicht darüber so ein grosses Ding in der
Gesellschaft machen! Ich finde vor allem in der heutigen Zeit, wo man überall in die Natur eingreift, ist dies nur ein nötiger Prozess, wenn die Personen es nicht wollen oder können. Was hilft es den werdenden Eltern und auch dem kleinen Wesen, wenn alle überfordert sind? Das bringt nichts! Also habt kein schlechtes Gewissen, ihr steht für euer Leben ein und aus Fehler lernt man und wächst daran, das ist nur ein weiterer Schritt! Wichtig ist, dass man danach vernünftig handelt, gute Verhütung usw.


Jolanda
Mein damaliger Freund und ich wollten nie Kinder. Er hat sich sterilisieren lassen. Leider haben wir die Flüssigkeitsuntersuchung nicht abgewartet. Mit dem Abbruch hatte/habe ich absolut kein Problem. Hatte eine sehr nette Aerztin. Hatte auch keine Beschwerden. Mein Gefühl: grosse Erleichterung. Bin jetzt Single, mit der Essure-Methode sterilisiert. Geniesse meine Freiheiten: Reisen etc.


Anna
Ich habe immer nach den Gründen anderer Frauen gesucht.. warum sie ihre Schwangerschaft abgebrochen haben, wie ihre Lebensumstände sind etc. Und ich verglich es ständig mit mir: die anderen Frauen haben viel "schlimmere" Gründe, sind alleinstehend, mittellos... doch ich tat mir keinen Gefallen. Denn im Grunde wusste ich, dass diese Entscheidung für mich PERSÖNLICH die einzig richtige war! Ich suchte insgeheim immer nur nach Rechtfertigungen, Bestätigungen, dass meine Entscheidung richtig war. Und nein, es war nicht einfach! Und ja, ich bin erleichtert, mich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden zu haben. Denn auch die Entscheidung, das Kind nicht auszutragen erfordert Kraft und Verantwortungsbewusstsein! An alle Frauen da draußen: überlegt euch diesen Schritt genau, aber: lasst euch von keinem, gar keinem etwas anderes sagen: es ist ganz allein eure Entscheidung und so wie ihr euch entscheidet, ist es richtig!!!!


Barbara
Vorab möchte ich betonen, dass ich mein Leben lang strikt nach meinen Prinzipien gelebt habe. Dazu gehörte auch meine persönliche Einstellung, dass eine Abtreibung für mich nur nachvollziehbar und akzeptabel ist, wenn die betroffene Frau tatsächlich mittellos oder alleine oder vergewaltigt worden wäre.... Ich war immer der Meinung, "das Kind kann nichts dafür", "wer Mist baut, muss auch die Folgen tragen". Alles wirklich tolle und von mir ernst gemeinte Prinzipien, doch leider hat mich das Leben wieder mal gelehrt: wenn man selbst nicht betroffen ist, weiß man einfach nicht, wie das ist!
Ich (34) bin seit 4 Jahren in einer harmonischen, liebevollen Beziehung und wir sind seit 2 Jahren glücklich verheiratet. Im Ernst: wir lieben uns über alles und wir haben in der kurzen Zeit schon viel erlebt und haben auch über das Thema Kinder gesprochen. Wir kamen immer zum Schluß: Kinder sind nichts für uns, Kinder sind toll - als Onkel und Tante, wir wollen in unserem Leben und Beruf Fuß fassen, später reisen, unsere Finanzen in Ordnung bringen und aufbessern, einfach das Leben zu zweit genießen. Doch Kinder hätten bei uns keinen Platz, da wir die Verantwortung nicht wollen, da wir nicht/nie bereit sind, da wir unsere Freiheit als Paar zu sehr genießen.... Doch wir sagten salopp: wenns wirklich mal passiert, passierts - dann müssen wir das Kind eben groß ziehen - unsere eigene Schuld...
Dann geschah es vor 3 Wochen: meine Regelblutung kam nicht... Es war ein Schock, ich war am Boden zerstört, verwirrt, brach weinend zusammen. Alles nur das nicht! ... Mein Mann sagte, egal was ich machen würde, er stehe zu meiner Entscheidung. Fragte, zu was ich denn tendiere: keine Ahnung. Meine Meinung schwankte fast stündlich zwischen behalten und abtreiben. Er fragte mich, ob ich mich ein bißchen freue? Nein, das tat ich in keinem Moment. Ob ich mich als Mutter sehen könne? Nein, nur als maßlos überforderte und unglückliche Frau. Ich dachte, mein Leben und all meine und unsere Träume seien nun zerstört. Die Argumente, das Kind zu behalten waren: Pflichtbewusstsein, ich stehe eine Abtreibung nicht durch, wir sagten, wenns passiert passierts. Doch die Argumente dagegen überwogen von Anfang an... [...]
Der Abbruch ist jetzt 5 Tage her. Es geht mir wirklich gut, doch es wird mich immer wieder "erwischen": beim Frauenarzt, in Werbungen für Babies, in Gesprächen über Kinder etc. Aber ich lerne damit umzugehen und ich weiß, dass ich eine sehr gute Tante bin, was mir reicht. Und ich muss unterscheiden, dass ich traurig sein darf, weil es normal ist und dass ich trotzdem zu 100% zu meiner Entscheidung stehe!
zur vollständigen Geschichte von Barbara


Kira
Ich war 19 und noch in Ausbildung, als ich ungewollt schwanger wurde. Ich hätte das Geld für den Schwangerschaftsabbruch nie aufbringen können, mein Freund auch nicht. Meinen Eltern wollte ich das zuletzt sagen. Ich war in einer echten Notlage und mehr als froh, dass ich mir bei dem ganzen Stress nicht auch noch Sorgen um die Finanzierung machen musste.
Bereut hab ich den Abbruch nie, nicht eine Sekunde, ich war nur erleichtert.
Jedes Kind hat ein Recht darauf, als gewünschtes Kind auf die Welt zu kommen, so wie meine späteren 2 Kinder. Sie waren zwar auch nicht geplant, aber doch erwünscht.
Niemand hat einer Frau in solch höchstpersönliche Entscheide rein zu reden, weder vom rechtlichen noch vom moralischen Standpunkt aus.


Silvia
Ich hatte ca. 6 Monate vorher aus gesundheitlichen Gründen die Pille abgesetzt, dies in Absprache mit meinem Partner, mit dem ich zu dem Zeitpunkt bereits ein halbes Jahr fest zusammen war. Wir verhüteten mit Diaphragma und Kalender. Ausserhalb der fruchtbaren Tage verhüteten wir manchmal gar nicht und verliessen uns auf die Kalendermethode. Als ich meine Periode nicht bekam war mir sofort am 2. Tag Verspätung klar, dass ich schwanger sein muss. Am 3. Tag machte ich den Test, der positiv war. Am Abend trafen mein Freund und ich uns, beide ziemlich fassungslos. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich grade sowohl Job als auch Wohnung gekündigt, weil wir 3 Monate später zusammenziehen wollten in seiner Stadt.
Als er von der Schwangerschaft erfuhr sagte er sofort, dass er das noch nicht will und dass alles viel zu früh kommt (zu diesem Zeitpunkt waren wir 1 Jahr zusammen und er 36 ich 31 Jahre alt, beide mit dem Plan, die Zukunft mit dem anderen zu verbringen). Nach dieser Reaktion war ich ziemlich geschockt, auch mir war die Schwangerschaft viel zu früh und durch meine Kündigung des Jobs mehr als ungelegen, aber prinzipiell bin ich der Meinung gewesen "das kann man alles schaffen, auch wenn es ein bisschen schwerer wird".
Ich war hin und her gerissen zwischen den Möglichkeiten. Am 2. Tag nachdem wir wussten, dass ich schwanger bin, haben wir das für und wider diskutiert, wobei ich durchaus auch schöne Seiten vorbringen bzw. mir vorstellen konnte, trotz der dann schwierigeren wirtschaftlichen Situation. ER fand nur negatives. In diesem Moment war mir klar dass ich mit und von diesem Mann kein Kind wollte.
Am nächsten Tag hatte ich einen Termin in der Familienplanungsstelle. Ich wurde dort sehr freundlich empfangen und das Gespräch war sehr verständnisvoll und doch wertfrei, ohne mich zu beeinflussen. Ich vereinbarte einen Termin für einen medikamentösen Abbruch mit Mifegyne 1 Woche später. Diese Woche war sehr lang, hat mich jedoch mit jedem Tag sicherer werden lassen, dass meine Entscheidung richtig ist. Die Beziehung zu meinem Freund beendete ich am Abend nach dem Gespräch mit der Familienplanung, denn wenn ich einen Abbruch vornehmen lasse, dann stimmt bzw. fehlt auch etwas in der Beziehung, was essentiell ist.
Am 1. Tag musste ich zur Blutabnahme, Ultraschall und Gespräch mit der Ärztin. Diese war auch wieder sehr nett und wertfrei, was mir sehr geholfen hat. Sie hat mir alle Fragen beantwortet. Am Ende des Termins nahm ich die 3 Tabletten Mifegyne und konnte nach Hause. Was mir am meisten Angst gemacht hat vor dem Abbruch war, was mit meinem Körper passiert und wie ich das alles seelisch verkrafte. Nach Einnahme der ersten 3 Tablette konnte ich gegen Abend spüren, wie die Schwangerschaft stoppte (meine Brüste spannten nicht mehr und irgendwas tat sich im Bauch, aber nicht schmerzhaft). Am nächsten Tag hatte ich etwas Übelkeit, war aber auszuhalten. Am 3. Tag musste ich wieder zur Familienplanungsstelle/Spital, wo die Ausscheidung erfolgen sollte.
Im Zimmer war noch eine andere Frau, dies empfand ich als angenehm, da ich so wusste "andere machen das auch". Die Ärztin und die Pflegerinnen kümmerten und erklärten uns alles sehr gut und ausführlich. Wir bekamen die 2 Tabletten des zweiten Medikaments und auch bereits Schmerztabletten/Anti-Ebrechen über deren Einnahme wir selbständig entscheiden konnten. Ich nahm sofort eine Schmerztablette und Anti-Erbrechen, da ich für beides sehr empfindlich bin. Die ersten 2 Stunden passierte bei uns beiden nichts. Dann bekam ich starke Schmerzen, nahm noch ein Schmerzmittel was aber nicht half. ca. 45 Minuten später kam es dann zum Ausstossen des Fruchtsäckchens. Da wir in diese "Bettpfanne" machen mussten auf dem WC wurde alles aufgefangen. Es war für mich erschreckend, diesen Fruchtsack zu sehen, der ähnlich wie ein Eigelb war. Auch wie er "rausgerutscht" ist war erschreckend für mich, weil ich das richtig spüren konnte. Vor und ca. 45 min. nach der Ausscheidung hatte ich sehr starke Schmerzen, Schwindel, Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall. Alle Symptome hörten ca. 1 Stunde nach der Ausstossung komplett auf. Die andere Frau hatte weder starke Schmerzen noch sonstige Symptome und hat nach ca. 4 Stunden auch ausgestossen. Die Blutung während und danach habe ich mir viel heftiger vorgestellt. Es ist wirklich nur wie eine normale Menstruation.
Am Tag danach war ich schmerzfrei wieder arbeiten. 2-3 Tage danach habe ich mich sehr erleichtert gefühlt! Ich bin zwar traurig dass die Beziehung in die Brüche gegangen ist, aber vielleicht musste es so kommen. Ich habe mich von dieser kleinen Frucht vor Einnahme der 3 Mifegyne Tabletten verabschiedet und ihr gesagt, dass ich hoffe sie kommt zu mir zurück... später einmal, wenn alles stimmt. Im nachhinein muss ich sagen, der Abbruch selber war nicht so dramatisch wie man es sich vorher vorstellt, dazu hat auch die Behandlung der Familienplanungsstelle, Ärztinnen und Pflegerinnen sehr viel beigetragen, diese gaben mir Sicherheit und das Gefühl nicht alleine zu sein, egal wie ich mich entscheide und dass jede meiner Entscheidungen die richtige gewesen wäre. Dafür bin ich sehr dankbar! Ich möchte so eine Erfahrung zwar nie mehr in meinem Leben machen müssen, bin aber erleichtert, dass es nicht so schlimm war wie ich es mir vorgestellt hatte.


Rita, 42
Ich hatte vor rund 20 Jahren einen Schwangerschaftsabbruch. Ich war mitten im Studium, als ich ungewollt schwanger wurde. Für mich war sofort klar: Ich will JETZT kein Kind, ich fühle mich zu jung, will zuerst meine Ausbildung abschliessen. Das stellte ich auch gleich klar bei der Beratung. Das Gespräch war dann aber doch hilfreich. In der Klinik wollten die mich 3 Tage hospitalisieren für den Eingriff - ich fuhr daher in eine andere Stadt, wo das ambulant gemacht wurde. Es war ein kleiner Eingriff und ich fuhr am selben Tag wieder nach Hause.
Na ja, aus unbekannten Gründen haben mein Mann und ich später keine Kinder bekommen. Das ist aber überhaupt kein Problem für mich. Ich führe ohne Kinder ein durchaus erfülltes Leben, mit einem interessanten Beruf, einer guten Beziehung, Politik, ehrenamtlichem Engagement und Hobbies. Ich lebe in der Gegenwart und bin zufrieden mit meinem "Schicksal". Ich habe den Abbruch nie bereut, der Entscheid damals war richtig.


Milena
Weshalb eine Frau abtreibt, wie es dazu kam und was die Beweggründe sind ist sehr individuell und immer zu respektieren. Ich habe allerdings wenig Erfahrungsberichte über die Abtreibungspille gefunden. Bei mir gab es leichte Komplikationen, die nicht schlimm sind, dennoch denke ich ist es gut wenn es viele Berichte gibt, die unterschiedliche Hergänge des Prozesses beschreiben. Der Tag, an dem ich die Abtreibungspille genommen habe, ist jetzt 3 Wochen her. Meine Schwangerschaft habe ich sehr früh bemerkt. 4 Tage bevor meine Regel kommen sollte, hatte ich schon erste Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit, Rückenschmerzen und meine erste Blasenentzündung. Schon bevor ich den ersten Test machte, habe ich mich mit einer möglichen Abtreibung auseinander gesetzt.
Meine Trennung von meiner 7-jährigen Beziehung war gerade 5 Wochen her und der Mann, dessen Kind es hätte werden können, war eine Affäre. Ich wollte nach der Trennung keine Beziehung, weder zu einem Mann noch zu einem Kind. Ich hatte mich nicht getrennt, um danach wieder an eine Person gebunden zu sein, sondern mich endlich richtig kennenzulernen.
2 Tage vor dem vermutlichen Einsetzen meiner Periode machte ich einen Schwangerschaftstest - das Ergebnis: deutlich positiv. Ich wartete die 2 Tage ab, und ging für einen Bluttest zu meiner Frauenärztin. Nach 2 Tagen lag der positive Befund vor und ein Beratungsgespräch mit meiner Frauenärztin folgte einen Tag später. Ich hatte mich schon vorher informiert und entschieden, einen medikamentösen Abbruch zu machen, da es sich für mich als die bessere Lösung anfühlte. Meine Ärztin pflichtete mir bei, dass dies eine gute Methode sei, sofern ich mich psychisch damit auseinandersetzen könne.
Nach dem Beratungsgespräch bei Pro Familia gab es eine kurze Unsicherheit und Zweifel. Ich wusste ganz sicher, dass die Entscheidung des Abbruches die richtige ist, dennoch kamen mir Gewissensbisse. Im Alter von 31 Jahren mit der Möglichkeit, ein Kind groß zu ziehen, so eine Entscheidung zu treffen... Es ging bei den Zweifeln eher um die Reue, dass es soweit hatte kommen können als um die Richtigkeit der Entscheidung. Ich denke die Entscheidung abzutreiben hat mit genauso viel Verantwortung, Moral und Vernunft zu tun, wie ein Kind zu bekommen. Sowohl die eine als auch die andere Entscheidung ist eine, mit deren Konsequenzen man umgehen können muss und will.
Ich hatte Angst vor der medikamentösen Abtreibung, da ich im Internet von einer Menge schlechten Erfahrungen gelesen hatte. Starke Schmerzen, das bewusste Abgehen des Embryo, Kreislaufzusammenbrüche, schlimme Blutungen usw. Trotzdem wusste ich, es ist die bessere Methode für mich. Bei der Voruntersuchung habe ich mir bewusst das Ultraschallbild angeschaut, um mir sicher zu sein, dass ich nicht bereuen werde. Es war hart, aber ich kann mir nicht vorwerfen, nicht genau zu wissen, was meine Entscheidung bedeutet hat. Die Mifegyne Einnahme hatte keinerlei Auswirkungen auf mein körperliches Befinden. Psychisch war die Vorstellung schwer, dass dem Embryo die Lebensgrundlage genommen wurde. Doch half mir die Vorstellung, dass dieser Mechanismus ebenfalls eingetreten wäre, wäre biologisch die Schwangerschaft nicht intakt.
2 Tage später hatte ich einen weiteren Termin bei der Ärztin für die Vergabe von Prostaglandin. Ich bekam eine Tablette, bekam die 2. mit nach Hause und verließ die Praxis mit Begleitung. Ich blieb den ganzen Tag und Abend mit meiner Ärztin im telefonischen Kontakt. Da sich nach einigen Stunden, abgesehen von Schmerzen, die stärkeren Menstruationsschmerzen ähnelten, nichts geschah, sollte ich die 2. Tablette nehmen. Leichte Blutungen setzten ein, die sich aber auch am nächsten Morgen nicht verstärkten. Ich sollte zur weiteren Untersuchung wieder in die Praxis. Ich verspürte den Drang mich zu bewegen, traute mich aber nicht, da es überall hieß, dass der Kreislauf stark in Mitleidenschaft gezogen werde, und Ruhe am Besten sei. Ich bekam eine 3. Tablette und sollte mich in der Praxis ausruhen. Es passierte auch weiterhin kaum etwas... leichte Blutungen, nicht mehr. Meine Ärztin war verwundert, sprach sich mit einem weiteren Arzt ab und machte den Vorschlag, das Wochenende noch abzuwarten und gab mir eine weitere Tablette mit. Sie riet mir auch, mich zu bewegen solange ich mich dabei wohl fühle. Wir blieben im telefonischen Kontakt über das Wochenende und ich nahm zu Hause noch die 4. Tablette.
Ich ging am Sonntag und Montag zum Sport. Ich war nicht ganz so leistungsfähig wie sonst, aber es tat meinem Kreislauf nicht Schlechtes. Am Montag fingen die Blutungen sehr stark an und ich hatte auch ein leichtes Ziehen. Es waren etwas stärkere Regelschmerzen, aber abgesehen davon hätte ich keinen Unterschied bemerkt, wenn ich nicht gewußt hätte, woher die Blutungen kamen. Psychisch ging es mir nach Einsetzen der Blutungen sehr viel besser und ich fühlte mich erleichtert. Die Woche machte meine Ärztin eine Ultraschalluntersuchung und stellte fest, dass es ein zwar sehr langsamer aber normaler Ablauf war. Ich habe jetzt seit 3 Wochen Blutungen, bin dem Blutverlust zur Folge etwas müder als sonst und nicht ganz so belastbar. Aber eher zu vergleichen mit einem leichten Infekt. Warum das Ganze so lange dauert weiß weder meine Ärztin noch natürlich ich....
Auch wenn der Prozess bei mir sehr lange dauert, und ich anscheinend immer noch nicht durch bin damit, bin ich froh, mich für den medikamentösen Abbruch entschieden zu haben. Die Vorstellung unter Narkose mit Instrumenten eine Abtreibung zu vollziehen, wäre für mich persönlich unangenehm gewesen. So hab ich eher das Gefühl, einen etwas "natürlicheren" Weg gegangen zu sein....auch wenn dieser sehr langwierig ist. Auch psychisch hatte ich für mich eher das Gefühl, dass diese Entscheidung eigentlich die Leichtere war. So ist eine Blutung doch immer ein Anzeichen für "keine Schwangerschaft". Ich wünsche allen Frauen, die sich gegen ein Kind entscheiden viel Kraft und die Stärke. Solange es eine freie Entscheidung ist, ist die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung und gibt Frauen die Chance ein selbstbestimmtes freies Leben zu führen, was einem späteren Kind nur zu Gute kommen kann.


Lisa, 28
Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her seit ich abgetrieben habe. Ich kannte den "Vater" erst wenige Monate und wir hatte mehr eine Affäre als eine richtige Beziehung. Meine Periode war überfällig und meine Brüste spannten wahnsinnig, deshalb bekam ich Bedenken und machte einen Test. Der fiel positiv aus und ich drehte durch. Ein Kind, vor allem von diesem Mann, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Erst wenige Monate davor trennte ich mich von meinem langjährigen Freund und wollte nur etwas Ungezwungenes.
Am nächsten Tag gingen wir gemeinsam zum Frauenarzt, der das Ergebnis bestätigte. Ich war so überwältigt und wusste nicht was ich tun sollte. Wir überlegten 3 Wochen. Gingen zu Pro Familia, um uns zu informieren. An manchen Tagen wollte ich das Kind, an anderen wieder gar nicht. Aber ich merkte, dass ich mich nicht freue und kein Kind alleine großziehen wollte. Ich wusste wohl schon, dass der "Vater" und ich keine dauerhafte Beziehung zustande bringen würden. Ich machte mir große Vorwürfe, da ich zu diesem Zeitpunkt schon 27 war, eine starke Familie im Rücken und einen guten Job hatte. Trotzdem konnte ich mich nicht für das Kind entscheiden. Die Angst vor der Aufgabe als Alleinerzieherin, war zu groß. Hinzu kam noch, dass ich für immer an eine Stadt gebunden sein würde, in die ich nur vorübergehend gezogen war. Der "Vater" machte klar, dass er, sollte ich das Kind bekommen, seine Ansprüche geltend machen würde, und ein Umzug in meine 500km entfernte Heimatstadt nicht in Frage käme. Juristisch gesehen, wäre er wohl im Recht gewesen. Dieses Risiko wollte ich einfach nicht eingehen und entschied mich für den Abbruch.
Am Tag der Abtreibung musste ich Medikamente nehmen, die den Muttermund erweichen. Mein Frauenarzt führte den Eingriff in einer Tagesklinik durch. Er war wahnsinnig nett und alles verlief ohne Komplikationen. Ich kann nur jeder Frau dazu raten, eine Vollnarkose zu wählen, da man wirklich nichts mitbekommt. Der "Vater" ging mit mir hin und blieb auch den ganzen Tag bei mir zu Hause, da man 24h nicht alleine sein soll. Bis auf leichte Krämpfe hatte ich keine körperlichen Beschwerden.
Zur psychischen Verarbeitung ging ich, nachdem ich einige Monate doch unter der Tatsache litt, abgetrieben zu haben, zu einer Psychotherapeutin. Durch Gesprächs- und Hypnosetherapie geht es mir heute wieder sehr gut. Die Affäre zu diesem Mann hielt noch ein paar Wochen, aber es wurde schnell klar, dass wir richtig entschieden hatten. Wir trennten uns. Heute bin ich wieder glücklich mit meinem Ex-Freund zusammen, der von der Abtreibung weiß. Er ist einfach meine große Liebe und der Mensch mit dem ich einmal Kinder möchte. Trotzdem achte ich momentan sehr genau darauf, meine Pille regelmäßig zu nehmen.
Ich bin zurück in meine Heimatstadt gezogen, da mir die Unterstützung meiner Familie in dieser Zeit enorm wichtig war. Ich bereue meine Entscheidung heute kein bisschen mehr und bin froh damals so gehandelt zu haben. Etwas, das mir sehr geholfen hat, ist der Rat meiner Therapeutin mich von christlichen Normen der Sünde zu lösen und es nicht als solche anzusehen. Obwohl ich nicht religiös bin, beschäftigte mich die Idee, eine Sünde begangen zu haben, eine ganze Weile. Dank der Therapie denke ich darüber, wie es tatsächlich war: Eine sehr schwierige Situation, die mir passiert ist und aus der ich einen Ausweg gewählt habe.


Ajla
Ich bin 32 Jahre und Mutter von zwei wundervollen und gesunden Kindern. Heute habe ich einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen........und ich bin sehr froh darüber. Denn ich bin für meine beiden Kinder endlich wieder 100% da. Bei jeder Schwangerschaft musste ich mich 24std übergeben. Es ging soweit, dass ich über 3 Tage kein Wasser in mir behalten konnte. Für mein erstes Kind war die Schwangerschaft mit dem zweiten ein Schock. Ich war nicht mehr für ihn da....
Ich wollte fair gegenüber meinen Kindern sein und auch fair mir gegenüber. Ich hätte diese Schwangerschaft *allein* nicht überstanden und meine Kinder auch nicht.
Mein Mann ist berufstätig und hätte mich nur an den Wochenenden unterstützten können.
Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit hatte - habe. Jede Frau sollte das Recht haben, darüber frei zu entscheiden. Euch allen viel Liebe, Kraft und die richtige Entscheidung......wie immer sie aussehen mag.


Franziska
Mein damaliger Freund und jetziger Ehemann und ich waren unvorsichtig. Er hat schon drei Kinder, die ich sehr liebe. Ich war schwanger, er realisierte es relativ schnell, hatte er doch schon Erfahrung mit Schwangerschaften.
Als ich den Test machte und dieser positiv war... ich war überwältigt. Überwältigt von Schuldgefühlen. Wie konnte ich ein Leben in mir tragen, das ich nicht haben wollte und konnte. Keine abgeschlossene Ausbildung, der Partner hat schon Kinder, die in einem schwierigen Umfeld aufwachsen müssen. Wie kann ich das einem Kind antun. Nie zu wissen, ob genug Geld da ist. Irgendwann dem Kind unterbewusst vorwerfen, dass es mir Chancen verbaut hat. Ich will Kinder, aber nicht so... Und dennoch: der Ultraschall zur Schwangerschaftsbestätigung. Ich war mir sicher, abzutreiben, aber diesen Zellhaufen, mein Kind zu sehen. Es tat weh... Es nahm mich auf eine Weise mit, die schwierig zu erklären ist. Ich wurde auf einen Schlag um gefühlte Jahrhunderte älter.
Ich bin der Auffassung, dass ein Kind Verantwortung bedeutet. Ich will meinen Kindern alles geben was sie brauchen um zu wachsen.. Ich konnte und kann das im Moment nicht.
Ich hätte jetzt ein viermonatiges Kind. Statt dessen absolviere ich eine Ausbildung, habe meinen Freund (der mir in jedem Moment beigestanden ist) geheiratet und bin glücklich.
Manchmal denke ich jedoch an dieses Kind und all die Möglichkeiten. Ich trauere um mein Kind. Und das ist gut so.
Ich schreibe dies, um eines zu sagen. Eine Abtreibung ist nicht schön, leicht und angenehm. Es ist je nach dem eine beängstigende, blutige und schmerzhafte Angelegenheit... aber wenn die Entscheidung stimmt, muss man dies auf sich nehmen.
Man darf leiden und trauern. Man soll das auch, das gehört dazu. Eine Abtreibung ist ein Schock, und das Ungeborene wird immer bei mir bleiben. Aber bereuen tue ich nichts. Es war richtig.
Solche Entscheidungen zu treffen ist nie einfach. Aber wenn man sich sicher ist, ist es die richtige.


Janina
Ich bin mit 25 Jahren ungewollt von meinem Partner (dieser hatte eine Vasektomie, sollte angeblich nicht zeugungsfähig sein) schwanger geworden.
Für mich war gleich klar, ich möchte noch kein Kind. Ich habe mit meinem Arzt sofort über einen möglichen Abbruch gesprochen. Da ich erst in der 3. Woche war, sagte er mir, mit Glück erledigt sich das noch von alleine und ich solle in einer Woche wieder kommen.
Tatsächlich (der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge..!), 3 Tage später setzte meine Blutung ein (etwas stärker als sonst, aber nicht schlimm!) und beim nächsten Termin bekam ich die frohe Botschaft, dass ich einen Abgang hatte. Nicht zu verwechseln mit einer Fehlgeburt, wovon so viele Mädchen sprechen.
Bis heute, 1,5 Jahre später, hat sich in meiner Gefühlswelt kein Chaos gebildet, ich denke ohne irgendeine Trauer nur selten zurück an dieses Erlebnis. Mir geht es super!


Anita
Mein Abbruch liegt nun viele Jahre zurück, es war noch kurz vor Einführung der Fristenregelung in der Schweiz.
Es begann mit meiner wirklich ersten ernsthaften Beziehung. Ich habe mich in einen Kollegen aus der gleichen Klasse verliebt, oder wurde verliebt. Er gab nicht auf, machte mir Komplimente, Einladungen, auf einmal waren wir ein Paar und ich entwickelte Gefühle.
Selbst war ich nie ein besonders religiöser Mensch, er dagegen sehr christlich engagiert. Abtreibung wäre für ihn das schlimmste, er schimpfte regelrecht über Frauen, die abgetrieben haben. Selbst die Beziehung an sich war ein Problem, obwohl wir nun schon volljährig waren, war gemeinsames Schlafen im Haus seiner Eltern ein absolutes Tabu. Theorie und Praxis dann... Es war meine Schuld, ich habe mich mitreissen lassen in seiner Religiosität, dachte eine Zeit lang, das gefunden zu haben, was ich immer gesucht habe.
In einer Phase als die Beziehung bereits viele Schrammen erlitten hat, bin ich von ihm schwanger geworden. Ich möchte nicht auf Details eingehen, es war natürlich auch meine Schuld, aber ein Beobachter würde wohl sagen, dass wir es darauf angelegt hätten. Ich war mehrmals kurz davor, es ihm zu sagen. Zum Glück hat ein Freund, der auch mit ihm befreundet war, mir davon abgeraten und ich habe den Fehler dann nicht gemacht.
Damals brauchte man vor einem Abbruch noch ein Gutachten, das mir eben jener Freund über seine Bekanntschaften organisieren konnte, indem er mir eine Psychiaterin vermittelte.
Ich hatte keine Wahl. Hätte ich das Kind bekommen, wäre ich an diesen Mann und seine Familie gebunden, aus der ich fliehen wollte. Er würde Ansprüche zur Erziehung machen und in Augen seiner Familie war ich sowieso das Luder, das das Söhnchen verführt hat (ja, es spielte sich wirklich im 20. Jahrhundert ab!!).
Zum Glück war der Freund dann sehr fürsorglich, er hat mir auch abgeraten, den Abbruch in unserer Stadt zu machen, aufgrund einer Verkettung verschiedener Umstände hätte es ja dazu kommen können, dass er später davon erfährt. Ich machte einen Termin in einer 120km entfernten Stadt. Die Option, es ihm zu sagen, gab es nicht, ich wäre lebenslang wohl psychischem Terror ausgesetzt, auch wenn ich ihm in Zukunft aus dem Weg gehen würde.
Eines Tages fuhr mich dann dieser Freund mit dem Auto in die andere Stadt. Der Arzt machte eine Untersuchung, ich bekam mehrere Pillen und musste warten. Drei Stunden später wurde meine Schwangerschaft abgesaugt. Ich war nur erleichtert, dass es vorbei war. Mit der Krankenkasse gab es da einige Probleme, aber die waren auch zu lösen. Auf der Rückfahrt in einer Raststätte stopfte ich Pommes Frites, Glace und zwei Colas in mich hinein, mein Kreislauf war noch schwach. Dann ging es weiter. Ich war froh, dass es vorbei war.
Dennoch, ich war Abtreibungen gegenüber immer kritisch eingestellt. Ich hätte es nicht getan, wäre da der Druck nicht gewesen. Die Ironie der Geschichte ist, dass wenn mein Freund nicht ein so toller Superchrist gewesen wäre, der das Zusammenleben und alle Optionen erschwert hätte, ich wohl das Kind bekommen hätte.
Heute denke ich noch häufig daran, dass ich jetzt ein weiteres Kind hätte, das schon in der Pubertät wäre, statt Spätgebärende wäre ich junge Mutter gewesen. Es wäre nicht einmal so schlecht gewesen. Aber der Fundamentalismus meines Ex erlaubte mir keine andere Lösung. Mit Liebe hätte ich das Kind bekommen, mit Fanatismus nicht.


Ute
ich heiße Ute und bin 37 Jahre alt... ich hatte vor einigen Wochen einen Mann kennen gelernt und ich wurde schwanger von diesen Mann, da war alles plötzlich anders. Er war mit seinen Kindern bei mir (ich selbst habe auch 2 Kinder, meine Tochter ist 16 und mein Sohn 14 Jahre). Er hatte sie am Nachmittag nach Hause gebracht und kam nie wieder. Als ich erfuhr durch einen Schwangerschaftstest, dass ich schwanger bin, hab ich nur geweint, ich hab mich an das Handy gehangen und ihn versucht anzurufen - keine Antwort bis heut... ich bin dann zu meinem Frauenarzt, der stellte fest, dass ich in der 5. Woche schwanger bin... ich wußte keinen Rat, keine Antwort, alles war leer, ich war ganz alleine.. erst hab ich mir gedacht, das bekommst du hin.. dann die langen Gespräche mit meiner besten Freundin, die selbst einen kleinen Sohn hat und ich die Situation bei ihr sehe, kein Geld kein Mann. alleine auf sich gestellt... nach langem hin und her hab ich mich dann entschieden es nicht zubekommen.
Am Tag des Eingriffes, das ist jetzt 3 Tage her, fühlte ich mich so schlecht.. aber meine beste Freundin brachte mich bis zum op. Als ich da war, wollte ich wieder gehen.. ich habe nur geweint, aber ich hatte eine nette Schwester, sie erzählte mir von ihren Erfahrungen und das machte die ganze Sache erträglich, ich bekam eine Tablette zur Beruhigung, dann ging die Tür auf, auch dort hab ich lange geweint.. als die op vorbei war und ich zu mir kam, das war so schrecklich, ich weinte die ganze Zeit.
Aber nach einer Weile ging es mir wieder gut und ich dachte mir, das war die beste Lösung die ich getroffen habe. Jetzt geht es mir gut, denn das Baby, wenn ich es bekommen hätte, hätte keine wirkliche Chancen gehabt. Ich bin alleine und ich habe eine Gehbehinderung, ich hätte das niemals noch einmal alleine geschafft...


Iris
Ich möchte zuerst ein grosses Dankeschön, an diejenigen Personen ausrichten, die für diese Internetseite verantwortlich sind!!! Da ich zuerst auf Abtreibungsgegner-Seiten gelandet bin und mich sehr verunsichern lassen habe (da werden ja sogar vergewaltige Frauen, welche abtreiben, verurteilt - einfach nur skandalös!!), bin ich zum Glück auf diese Seite gestossen und ich konnte mich "guten Gewissens" für die Abtreibung entscheiden.
Zu mir: 25 Jahre alt, komme aus guter Familie, gute Ausbildung, gute Arbeitsstelle und seit zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung! Kurz gesagt: ich liebe mein Leben so wie es jetzt (wieder) ist!!
Meine Tage blieben aus - Schwangerschaftstest positiv - SCHOCK!! (Wir haben immer mit Kondom verhütet, was wohl nicht genug sicher war, heute nehme ich die Pille wieder) Ich teilte dies gleich meinem Partner mit. Nachdem sich der erste Schock ein wenig gelegt hatte, einigten wir uns, jetzt nicht in Panik zu geraten und uns in Ruhe zu überlegen wie wir weiter vorgehen sollen. Für mich war es zuerst klar, dass wir für diese "Dummheit" nun gerade stehen müssen und wir das schon irgendwie packen würden. Wir machten eine Budgetberechnung und stellten fest, dass wir mit nur einem Einkommen nicht leben könnten. Ich müsste nach der Geburt wieder eine Vollzeitstelle ausüben und mein Kind abgeben. Dies kam aber für mich nie in Frage. Wenn ich ein Kind in die Welt setze, möchte auch ich dafür da sein, es erziehen und mich auf das Mutter-Dasein konzentrieren! Es kommt zudem hinzu, dass dies mein schönes Leben auf den Kopf stellen würde.
[...Iris beschreibt, wie es ihr beim Arzt und beim medikamentösen Abbruch erging...] 
Es ist nun alles vorbei und ich bin einfach nur erleichtert und glücklich, mein altes Leben wieder zu haben. Der Abbruch war überhaupt nicht dramatisch - wenn die Bauchkrämpfe nicht gewesen wären, könnte ich es bei mir mit einer normalen Periode vergleichen. Auch bereue ich es überhaupt nicht und habe auch keine psychischen Probleme deswegen. Ich hätte diesem Kind in neun Monaten nicht die notwendige Liebe geben können und ich hätte es wahrscheinlich unbewusst dafür verantwortlich gemacht, mein schönes Leben kaputt gemacht zu haben! Wenn ich einmal eine Familie gründen möchte, dann will ich mich auf die Schwangerschaft freuen und ich möchte vor allem finanziell abgesichert sein. Es war einfach noch zu früh! Falls mein Bericht veröffentlicht wird, hoffe ich ein paar Frauen damit die Angst nehmen zu können. Ich wäre froh um einen solchen Bericht gewesen! Und lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden. Es ist EUER LEBEN und damit auch eure Entscheidung!!!

ganzen Bericht lesen


Bara
Chirurgischer Abbruch 11. SSW, Januar 2013.
Keine Verhütung, da wir nach über 10 Jahren erfolglosen Versuchen schwanger zu werden und aufgrund von Alter (42 Jahre) der Annahme waren, ich könne nicht natürlich schwanger werden. Wir haben die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft als extrem tief eingestuft, und uns geeinigt, dass wir ansonsten "halt ein drittes Kind kriegen". Wir haben 5-jährige Zwillinge und diese Schwangerschaft war ICSI induziert, allerdings konnten die Ärzte nie einen medizinischen Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit finden.
Totaler Schock zuerst, und nach zwei Wochen (in 7. SSW) das erste Mal an das Tabu gedacht, die Schwangerschaft abzubrechen. Entscheid war unglaublich schwierig und emotional (Schlafstörungen, Tränenausbrüche, Apathie), und ich schwankte hin- und her. Ehemann war eher für ein drittes Kind, kommunizierte aber auch, dass er zu mir stehen würde, egal wie ich mich entscheide. Verschiedene Gründe, die Schwangerschaft abzubrechen:
1) Medizinische - aufgrund der sehr schwierigen ZwillingsSS (mehrmonatige Bettruhe, konnte die ersten 4 Monate meine Kinder nicht betreuen, spüre die gesundheitlichen Auswirkungen heute noch) hatte ich grosse Zweifel, wie mein Körper eine weitere SS verkraften würde.
2) Meine Kräfte - aufgrund Doppelbelastung Mutter / Berufsfrau bin ich ausgepowert. Zu dieser Erschöpfung beigetragen hat der sehr schlechte Schlaf eines meiner Kinder. Gar nicht vorstellen konnte ich mir, wieder in den Nächten dauernd aufzustehen. Bei der Vorstellung, dass noch jemand weiteres etwas von mir will, hatte ich nur noch den Wunsch, in einen „100 jährigen Dornröschenschlaf“ zu fallen.
3) Emotionale - ich hatte einen riesigen Widerstand gegen ein drittes Kind und wurde aggressiv, wenn ich Babies gesehen habe. Ca. eine Woche bevor ich den positiven Test in der Hand hielt hatten wir beschlossen, dass wir definitiv keine weiteren Kinder wollen – ich wollte einen Termin beim Frauenarzt vereinbaren, um die Verhütung definitiv zu regeln…
4) Finanzielle – wir haben ein ausgezeichnetes Einkommen, allerdings nur, wenn beide arbeiten. Ich wusste, dass ich meine Berufstätigkeit (die ich liebe) vorübergehend hätte aufgeben müssen. Eine höhere Ausbildung eines dritten Kindes hätten wir in unserem Rentenalter finanzieren müssen.
5) Berufliche – falls ich vorübergehend meine Berufstätigkeit aufgebe, wer stellt mich noch ein „in meinem Alter“?
6) Altersmässige – wir fühlten uns zu alt, um nochmals für ein Baby verantwortlich zu sein.
Irgendwann kam ich zu dem Punkt, wo ich mich fragte, ob ich den Embryo, der in mir wächst, wirklich über all das stellen muss, was mir wichtig ist – meine Gesundheit, meine Arbeit, das Wohl meiner anderen Kinder, unsere Finanzen.
Gesamthaft erhielt ich eine lausige Beratung. Was ich gebraucht hätte, wäre jemand gewesen, der mit mir meine verschiedenen Ängste und Handlungsoptionen angeschaut hätte. Das Internet war nicht ergiebig – ebenso wenig der Termin beim Psychologen - meine Argumente für den Abbruch wurden kommentarlos hingenommen und in keiner Art und Weise hinterfragt. Auch meine christlichen / ethischen Bedenken wurden nicht ernstgenommen. Niemand hat gemerkt, dass ich von der ersten SS total traumatisiert bin. Im Alltag geht es mir gut, aber die erneute SS hat dieses Trauma an die Oberfläche gebracht und ich spürte nur noch blankes Entsetzen und Panik.
Die ersten zwei Spitäler, bei denen ich mich bzgl. SSAbbruch gemeldet habe, wollten mir keinen Termin geben und haben mich an ein anderes Spital verwiesen. Konkret habe ich mich Anfang 7. SSW um einen Termin bemüht, und die SS wurde erst in der 11. Woche abgebrochen, was ich emotional sehr belastend fand.
Für den Eingriff war ich zwei Tage im Spital. Keine Beschwerden, Schmerzen, Nebenwirkungen oder Komplikationen. Ich wurde nett behandelt. Das Schlimmste war, mitten in der Nacht die Medikamente in die Scheide einzuführen, die den Gebärmutterhals aufweichen.
Zunächst empfand ich Erleichterung  – „was bin ich froh, nicht für ein weiteres Kind verantwortlich zu sein" (stimmt als Aussage auch heute noch). Danach ca. 5 Tage unglaubliche Trauer („was habe ich gemacht, das passt doch überhaupt nicht zu mir als Christin und engagierte Mutter“). Die gesundheitlichen Bedenken bzgl. einer zweiten SS bleiben bestehen, aber andere Bedenken sehe ich rückblickend anders… Ich bin so erschöpft, ich muss eh etwas an meiner Lebenssituation ändern…
Ich habe eine Sehnsucht nach diesem dritten Kind, das ich jetzt nie kennenlernen werde. Ich werde weder zusammenbrechen noch mache ich mir rückblickend Vorwürfe – ich habe so gut entschieden, wie ich konnte. Aber eine Trauer bleibt.


Sabine 24
Ich habe vor einer Woche etwa meine Schwangerschaft festgestellt, habe mir das schon gedacht, da mir öfters übel wurde. Als ich einen Tag überfällig war, besorgte ich mir einen Test der auch positiv war. Natürlich war das erst mal ein Schock....schwanger... jetzt? Nein... das geht nicht!!! Zumal ich nun 24 bin und auch schon zwei Kinder habe und mich erstmal um Ausbildung oder Arbeit kümmern wollte.
Für mich war bereits in der ersten Minute klar, dass ich diese dritte Schwangerschaft nicht durchziehen konnte.
Also machte ich am selben Tag noch einen Termin bei meinem Frauenarzt und bei der Schwangerenberatung. Die Ärztin, wie auch die B-Stelle konnten meine Meinung teilen und ich entschied mich für einen MEDIKAMENTÖSEN Schwangerschaftsabbruch... etwas anderes wäre für mich nie in Frage gekommen, doch ich hatte Glück, denn ich war erst in der 5. Woche. Nach 3 Tagen Bedenkzeit war es dann soweit, ich hatte meinen Termin. Ich ging zum Arzt, der diesen Abbruch durchführte, redete mit ihm über die Situation und wurde noch einmal per Ultraschall untersucht. Danach bekam ich ein Glas Wasser und drei Tabletten Mifegyn. Diese nahm ich ein und ging nach Hause. Das war gestern...
Jetzt bin ich zuhause, habe Bauchschmerzen, mir ist übel und irgendwie fühle ich mich ruhig gestellt, oder depressiv, melancholisch, ich weiß auch nicht genau. Irgendwie seltsam. Bei mir hat sich noch nichts gelöst, also an der Gebärmutter, morgen muss ich nochmals hin und bekomme dann die nächsten Tabletten, die den Abbruch dann endgültig hervorrufen. In dieser Zeit muß ich etwa 4-6 Stunden in der Praxis bleiben und warten bis die Blutung einsetzt.
Meiner Familie habe ich nichts davon erzählt, nur meinem Freund, der meinte es ist meine Entscheidung, fand ich auch gut, denn ich habe mit 2 Kindern wirklich schon genug zu tun. Ich hätte das nervlich wohl kaum auf die Reihe bekommen, da meine Beziehung zur Zeit auch nicht die beste ist.
Aber wie auch immer, ich bin froh, dass ich mich zu diesem Schritt durchgerungen habe, es war keine leichte Entscheidung, aber die bessere. In der Arztpraxis wurde ich normal behandelt, alle waren nett.
Ich bin gespannt was mich morgen erwartet, ob alles gut geht, ob es weh tut etc.
Ich hoffe dass ich dieses Erlebnis irgendwann verarbeitet habe, da es nun doch schon etwas ist, was nicht alltäglich ist.


Mira
Wer bin ich? 33 Jahre, seit April in einer sehr glücklichen Beziehung, gerade in Firmengründung.
Soweit eigentlich eine Durchschnittsdeutsche. Bis es zum Thema Fortpflanzung kommt. Ich mag keine Kinder (haben)... Kinder von Freunden? Sehr gerne, ich bin gerne Tante - aber auch froh, wenn die wieder abgeholt werden. Für mich persönlich bringt ein Kind einfach zu viele Veränderungen ins Leben, die ich für mich nicht möchte. [...] Und dann kam der Tag, an dem ich mich so komisch gefühlt habe... meine Brüste spannten, mir war kodderig, alles war so anders.... und da fiel mir auf, dass ich ja überfällig bin. In dem Moment ist in mir ein Notfallprogramm angegangen, wie Autopilot. Willst du jetzt alles, was wichtig ist, drangeben? Ein Kind? Auf gar keinen Fall! Und er sah es genauso.
[...] Ich habe den Abbruch als absolut unaufgeregt erlebt, es war für mich ein minimaler Eingriff, ich wollte ihn zu 100% und es war einfach nur ein riesengrosses Gefühl der Erlösung danach.
Zum vollständigen Bericht von Mira


Barbara
Übermorgen ist es soweit: der Abbruch. Ich ertrage die Wartezeit kaum noch, das "schwangere" Gefühl macht mich mental und körperlich fertig. Eigentlich haben mein Mann und ich uns ein gemeinsames Kind (jeder hat Kinder aus früheren Beziehungen) gewünscht. Erstmal waren wir glücklich. Auch dass eine Schwangerschaft meine Autoimmunerkrankung negativ beeinflussen kann, ich also eine "Risikoschwangere" wäre, hielt uns nicht ab. Nun... ich bin schwanger. Mit Zwillingen. Sie teilen sich eine Fruchthöhle und eine Plazenta. Ein absolutes Chaos. Ich bin dieser absoluten Risikoschwangerschaft weder körperlich, noch mental gewachsen und WILL es auch nicht sein.
In der Schwangerenkonfliktberatung sagte man mir "ich solle diese Herausforderung doch annehmen und diese Besonderheit wertschätzen"... denn: die Beraterin gebar selbst Zwillinge. Eine verbale Unverschämtheit. Worauf ich sehr direkt entgegnete, dass ich "es in keinster Weise als Herausforderung sehe, wirtschaftlich von dem Abgrund zu stehen, mich körperlich dermaßen zu gefährden und ich auf die Erfahrung des `Besonderen´ durchaus verzichten kann".
Nun... übermorgen. Ich kann es nicht erwarten. Ich werde befreit sein... Endlos befreit von einer tonnenschweren Last. Ich bin so dankbar, dass jede Frau in diesem Land selbst entscheiden kann. Ich bin wahnsinnig dankbar für jedes offene Wort, für mutige Menschen, die nicht tabuisieren und moralisieren. Und ich möchte jeder Frau, die bereits abgetrieben hat, den Druck des schlechten Gewissens nehmen (wenn denn Druck da ist). Und vielen Dank für diese Website. Eine der wenigen, die ehrlich und sachlich über das Thema Abtreibung berichten.


Amanda
Mit diesem Beitrag möchte ich Euch die Vorgehensweise bei der Abtreibung zeigen und mir alles von der Seele schreiben.
Ich bin 29 Jahre alt und hatte einen Onenightstand. Eine Beziehung mit diesem Mann stand nie zur Debatte. Zwei Wochen später hatte ich eine Party bei mir zuhause, wo ich auch Alkohol in geringen Mengen getrunken habe. Nach kurzer Zeit wurde mir übel und ich musste mich übergeben. Ab dem nächsten Tag ging es mir jeden Morgen schlecht. Dies war komisch, da ich meinen Körper sehr gut kenne und kleine Veränderungen sehr schnell bemerke. Habe mir dann einen Frühschwangerschaftstest in einem Drogerie Markt besorgt. Meine Periode war erst 2 Tage überfällig. Dieser Test hat leider direkt 2 Striche angezeigt. War mir nicht sicher, ob ich jetzt wirklich schwanger bin, da der eine Strich nur „leicht“ zu sehen war. Habe mich dann bei „google“ schlau gemacht und zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass ich schwanger bin. Anschließend habe ich den Frauenarzt angerufen, der aber erst in 2 Wochen einen Termin frei hatte. Da ich so unter Panik stand, habe ich nochmals angerufen und um einen Termin am selben Tag gebeten. Ich kann mit Ungewissheit nicht umgehen. Nachmittags bin ich dann dort hin und auch da war der Test leicht positiv. Sie sagten, ich müsse noch 2 Wochen warten bis man was sehen kann und bis die Schwangerschaft festgestellt werden kann. Sie haben mir dann bezüglich eines Konfliktgespräches Unterlagen mitgegeben und ich bin dann nachhause und habe mich erst mal mit Telefonaten bezüglich des Gespräches beschäftigt. Ich wollte alles so schnell wie möglich hinter mir haben, am liebsten heute noch.
Das Konfliktgespräch hatte ich dann am nächsten Tag schon. Die waren alle sehr nett und keiner hat mir ins Gewissen geredet. Es wurden mir halt finanzielle Unterstützungen aufgezeigt und ich musste die Gründe für meine Abtreibung nennen. Ich habe der Dame erklärt, dass ich mir immer vorgestellt habe ein Kind zu bekommen mit einem Menschen, den ich liebe, mit dem ich mir eine Zukunft aufbauen möchte und dass ich unter einer Angsterkrankung leide und glaube, dass es für mich nicht förderlich ist, ein Kind momentan in die Welt zu setzen. Des weiteren habe ich einen Zeitvertrag, der genau auslaufen würde, wo mein Kind kommt. Somit war mir klar, dass eine Verlängerung dann nicht mehr zur Debatte steht.
Ich habe zuhause auch eine Pro- und Contraliste gemacht, wo leider die Contra Punkte überlegen waren. Kopfmäßig kann nur ein Entschluss gefasst werden. Die ganze Schwangerschaft hat mich so aus der Bahn geworfen, dass ich mich krank schreiben lassen musste, da es mir nicht möglich war arbeiten zu gehen und mich auf was anderes zu konzentrieren. Die Beratungsstelle hat mir nahe gelegt, mich bei meinem Onenightstand zu melden und ihn von der Schwangerschaft zu unterrichten. Hatte das zunächst nicht vor, da ich Angst hatte, dass er mich zu dem Kind überreden möchte. Abends habe ich mit ihm telefoniert und er hat mich bei meiner Entscheidung unterstützt und mir zugesichert, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Schließlich wären wir beide daran beteiligt gewesen.
Mein nächster Weg führte mich ins Internet um mich zu informieren, wer einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt. Kirchliche Krankenhäuser schon mal nicht und in der Praxis wo die Schwangerschaft festgestellt wird, kann man keinen Abbruch vornehmen. Habe mich dann erst mal damit beschäftigt, ob ich eine Behandlung in einer Praxis oder in einem Krankenhaus vorziehe. Ich habe mich für einen Abbruch in einem Krankenhaus entschieden und ein medikamentöser Abbruch kam für mich nicht in Frage. Anschließend habe ich im Krankenhaus angerufen und mir einen Termin für den Abbruch geben lassen. Die 14 Tage bis zum Termin beim Frauenarzt waren wirklich hart. Mir ging es nicht gut und ich habe jeden Morgen nach dem Aufwachen an die Schwangerschaft gedacht und jeden Abend zum Bett gehen wieder an die Schwangerschaft gedacht. Meine ganzen Gedanken drehten sich nur noch um ein Thema. Das belastet sehr und bringt einen auch nicht wirklich weiter. Nun ja, ich war dann bei der Untersuchung und die Frauenärztin hat die Schwangerschaft festgestellt. Demnach war ich in der 6. Woche schwanger (seit dem Geschlechtsverkehr waren genau 3 Wochen vergangen). Hab Ihr dann erklärt, dass ich einen Abbruch vornehmen lassen werde. Es für mich und das Kind das beste ist, da ich ja auch noch Medikamente nehme, die für einen Embryo schädlich sein können. Sie war sehr verständnisvoll, hat mir aber trotzdem einen Mutterpass ausgestellt. Dies fand ich nicht so toll, da man ja auch den errechneten Entbindungstermin sehen kann. Da weint das Herz schon ein bißchen.
2 Tage später hatte ich dann meine Untersuchung im Krankenhaus und in der selben Woche war auch der Abbruch. Ich hatte unendlich Angst vor der Narkose und überhaupt wusste ich gar nicht was auf mich zukommt, da ich noch keine OP gehabt habe. Zwischendurch war ich auch noch bei einer Psychologin, um mit Ihr über meine Entscheidung zu reden. Sie hat weder dagegen noch dafür geredet und hat mich meine eigene Entscheidung treffen lassen. Man kann bis man die Tablette bekommt (um die Gebärmutter zu öffnen) seine Entscheidung rückgängig machen, falls man sich umentscheidet. Ich bin dann morgens nüchtern in die Klinik und habe erst zwei Tabletten bekommen, die 1½ Stunden wirken müssen. Dann habe ich mich in dieses Nachthemd und die tolle Einwegunterhose gequetscht und habe eine „Leck-mich-am-Arsch“ Tablette bekommen (die übrigens bei mir nichts bewirkt hat). Dann wurde ich in den OP gebracht, musste mich wieder ausziehen und meine Decke wurde mir abgenommen, statt dessen habe ich warme Handtücher bekommen und wurde in einer Schleuse auf einen Stahltisch gelegt. Dann kam ich in den nächsten Raum wo ich dann eine Kanüle gesetzt bekommen und eine Infusion erhalten habe. Dann habe ich eine Maske auf den Mund bekommen und mir wurde das Narkosemittel gespritzt. Dann weiß ich erst mal nichts mehr.
Im Aufwachraum hat mich dann jemand geweckt und anschließend wurde ich auf mein Zimmer gebracht. Ich war recht schnell wieder fit und 20 Minuten später (als die Infusion durchgelaufen war) bin ich schon mit meiner Familie ins Café gegangen. Musste dann noch 4 Stunden da bleiben, dann kam die Ärztin und hat das Entlassungsgespräch geführt.
War eigentlich zu dem Zeitpunkt einfach nur erleichtert. Hab mich dann auf zuhause gefreut, da meine Freundin abends vorbei kommen wollte und wir einen Film zusammen gucken wollten. Ach ja, 24 Stunden nach der Narkose kein Auto fahren und auch nicht alleine sein. Daran sollte man sich auch halten. Außerdem nur Binden nehmen und nicht baden gehen. Krank geschrieben wird man nicht, da die Nachblutung nicht schlimmer ist als die Periode.
Jetzt sind 2 Tage seit der Abtreibung vergangen und bisher geht es mir sehr gut. Eigentlich geht es mir besser als die ganze Zeit. Die Zeit bis zur Abtreibung war für mich ein Alptraum. Wie ich es weiter verarbeiten werde, wird sich zeigen. Lest nicht so viel Im Internet und lasst Euch bitte keine Schuldgefühle einreden. Jeder Mensch darf seine eigenen Entscheidungen treffen und das ist gut so!


Sandra
Dies ist ein Beitrag für alle unter euch, die mit dem Gedanken spielen, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen und/ oder sich einfach zu informieren....
ich erzähle euch meine kleine Geschichte - mehr nicht.
Als ich eines Tages meine Periode nicht bekommen habe, gab ich meinem Körper noch 2-3 Tage. Ich wollte sicher gehen, dass ich dies mal nicht nur einfach einen unregelmäßigen Zyklus hatte (das kam öfter mal vor), bevor ich einen Test machte. Nach mehreren Tagen fuhr ich in eine Apotheke in der Stadt, um mir einen Schwangerschaftstest zu kaufen. Die Dame, die mich dort zwar freundlich bediente, schrie in voller Lautstärke durch die Apotheke Sätze wie "Oh, werden Sie wohl Mutter??" und Dinge wie diese. Die Situation war mir sehr unangenehm - ich hatte etwas mehr Diskretion erwartet. Nun ja - wie dem auch sei - also fuhr ich nach meinem längsten Arbeitstag in der Woche nach Hause und führte diesen Test durch. Ich konnte vor lauter Aufregung nicht bis zum nächsten Morgen warten. Der Test war positiv. Anfangs versuchte ich mir einzureden, dass das Ergebnis sicher nicht richtig war.
Ich rief sofort bei meiner Frauenärztin an, um mir einen Termin geben zu lassen. Ganze 5 Tage vergingen zwischen dem Test und dem Termin. Diese Wartezeit war die vermutlich schlimmste in meinem Leben.. und egal ob ich es schon wusste oder nicht - als mir meine Ärztin nun die Schwangerschaft bestätigte, wurde mir ganz schlecht. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich das Kind nicht behalten werde. Meine Ärztin ist eine sehr verständnisvolle Person. Vermutlich hat sie mir meinen Schrecken angesehen und auch sofort gefragt, wie ich mich denn im Moment entscheiden würde und ob sie mir einige Infos über den Abbruch, den sie in dieser Praxis auch durchführen, geben soll.
Ohne ihr nur meine "Gründe" und "Absichten" zu erklären, holte sie eine der Arzthelferinnen dazu, die mir dann alles weitere erklärte. Das Gespräch lief ziemlich sachlich ab und es versuchte mir keiner ein schlechtes Gewissen einzureden.
Nachdem mir Blut abgenommen wurde, vereinbarten wir sofort einen Termin für Dienstag (4 Tage später), an dem der medikamentöse Abbruch durchgeführt werden sollte (ich war in der 6. SS-Woche). Die Dame am Empfang rief sofort in der Beratungsstelle an und vereinbarte für mich einen Termin am selben Nachmittag. Ich war heilfroh, dass dies so kurzfristig geklappt hat! Als ich dort war, musste ich in einem Wartezimmer Platz nehmen. Es sah dort eher aus wie in einem Spielzimmer für Kinder. Überall an den Wänden hingen selbstgemalte Bilder, auf dem Boden Bauklötze und Kinderbücher. In der Mitte stand ein großer länglicher Tisch, auf dem geschätzte 100 Flyer und Prospekte lagen, die über Suchtmittel und Schwangerschaft informierten. Als mich eine ältere Frau abholte und in ein Besprechungszimmer führte, war ich zuerst froh. Sie sah nett aus! Allerdings entpuppte sich die Dame nach wenigen Augenblicken als völlige Gegnerin des Abbruchs. Mir egal - ich war nicht hier um mich um den Finger wickeln zu lassen. Ich argumentierte sachlich und sah die Dame als Beratungshilfe - nicht mehr und nicht weniger. Nach 40 Minuten bekam ich dann schließlich die Bestätigung mit [in Deutschland ist die Beratung obligatorisch und muss bescheinigt werden. Anm.d.R.].

Dienstag - es lief alles problemlos ab! Ich erhielt die Mifegyne und die zweite Tablette zum Einnehmen zu Hause, zwei Tage später. Ich hatte zwar kurze Schmerzen und ein leichtes Ziehen.. aber sonst ging es mir fantastisch! Ich war erleichtert als sich die Blutung einstellte und ich wusste, dass ich nun nicht länger schwanger war. Da ich für diesen Tag krankgeschrieben war und somit auch nicht auf Arbeit musste, konnte ich mich zu Hause ausruhen und alles abwarten. Es ist sicher ein komisches Gefühl zu wissen, dass man bei vollem Bewusstsein dabei ist, wenn dies geschieht... aber ein operativer Eingriff war nicht notwendig, worüber ich froh war. Die Kosten musste ich selbst tragen - 330,- EUR - da die Kassen in Deutschland nur unter einer bestimmten Einkommensgrenze zahlen.
Alles ging also bei mir ziemlich rasch. Vom Termin bei meiner Ärztin bis zum Abbruch verging nur die gesetzliche "Mindestzeit" von 3 Tagen zwischen Beratung und Abbruch.

Ich möchte allen Frauen Mut geben, die so etwas vor haben.
to live is to choose - Leben heißt entscheiden !
In diesem Sinne alles Gute für alle werdenden Mütter, die glücklich sind & auch für alle, die sich dagegen entschieden haben.


Ania
Ich habe gerade die drei Tabletten Mifegyne genommen. Und es ist hart. Ich weine immer noch und ich glaube, dass ich das alles ein Leben lang nicht vergessen werde. Die Tabletten habe ich von meiner Frauenärztin bekommen und musste sie nun (einen Tag später) einnehmen. Meine Ärztin war sehr nett, aber das Ultraschallbild, auf dem schon der Embryo zu sehen war, war für mich kaum zu ertragen. Ich habe bereits eine Tochter, will nächstes Jahr mein Studium endlich beenden, damit ich auch selber Geld verdienen kann und mein Freund und Vater der Kinder will auch noch eine neue Ausbildung aufnehmen. Ich studiere Lehramt und auf mich wird bald das Referendariat zukommen, und das wird schon mit einem Kind hart. Wir haben keine Großeltern in der Nähe und sind komplett auf uns allein angewiesen. Denn das muss ich sagen, auch wenn einem suggeriert wird, man würde ja finanziell unterstützt werden etc. - Geld hält nun mal nicht die ganze Nacht das schreiende Baby in den Armen und versucht es wieder zu beruhigen, es füttert es nicht, wickelt es nicht etc. Man muss nicht nur finanziell überlegen, ob man einem Kind gerecht werden kann, sondern besonders auch menschlich. Ich liebe meine Tochter und ich weiß, das ich eine gute Mutter bin, aber das bin ich, weil ich für sie da sein kann. Und Elternsein kennt keine Pausen, wenn man nicht gerade ein Umfeld hat, das einem in brenzligen Situationen mal ganz spontan den Nachwuchs abnehmen kann. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und ich wünsche niemandem, überhaupt in diese Situation zu kommen. Erleichterung ist es nicht gerade, die ich empfinde nach dem Abbruch. Es ist eine tiefe Traurigkeit und die bittere Erkenntnis, dass es noch lange dauern wird, bis ich das alles verarbeitet haben werde. Es ist in dieser Zeit bestimmt gut zu wissen, dass man jemanden hat, der das alles mit einem durchsteht. Aber auch wenn es meinen Freund wohl auch ein wenig mitnimmt, am Ende macht ihr es doch mit euch allein aus. Es ist euer Körper, der das alles mitmacht, nicht seiner. Ich bin froh, dass es Seiten wie diese gibt, denn sie geben uns die Möglichkeit, das Erlebte besser zu verarbeiten und auch das Gefühl, dass es Menschen gibt, die das Gleiche durchgemacht haben. Ich werde eines Tages bestimmt noch einmal ein Kind bekommen, aber nur dann, wenn ich es auch wirklich will und dann werde ich mich wirklich freuen können, denn das hat jedes Kind verdient- dass man es aus tiefstem Herzen willkommen heisst.


Silvia
10. SSW. Verhütungs-Unfall (Kondom, Koitus interruptus – da Hormonpräparatunverträglichkeit)
MEINE SITUATION: Berufsunfähigkeitspension, Einkommen unterhalb der Armutsgrenze; lebe in einer Partnerschaft - in getrennten Mietwohnungen.
GRUND FÜR SCHWANGERSCHAFTS-ABBRUCH: will keine Kinder, bald Mitte 40, gesundheitlich angeschlagen, kein Geld, Partner vererbt ADHS. Der Entscheid stand sofort fest.
ERLEBEN DES VORGEHENS: Die Frauenärztin, die mir die SS bestätigt, hat zwar eine Visitenkarte von „www.schwanger.li“, nicht jedoch vom „Ärztehaus Montfort“ in Bregenz. Die Daten hiezu muss ich mir selber im Internet raussuchen. Es wird mir gesagt, der Arzt in Bregenz mache die Sache ordentlich.
Von der telefonischen Terminvereinbarung vergeht eine Woche bis zum ersten Termin, welcher der Datenerhebung, Beratung, Blutabnahme und gyn. Voruntersuchung dient – verbunden mit langen Wartezeiten. Erst vor Ort erfahre ich, dass der Eingriff zwei Tage später erfolgen wird. Der Arzt hat wenig Einfühlungsvermögen. Es wird gleich zu Beginn erwähnt, dass nur gegen Barzahlung behandelt wird (Kosten: € 540,- zzgl. € 50,- für die Blutuntersuchung). Er will mir die Hormonspirale „Mirena“ aufdrängen. Meine Bedenken wegen der Hormonpräparatunverträglichkeit werden im Keim erstickt. „Mirena“ wirke nur in der Gebärmutter (etwas später im Gespräch waren es immerhin 20 %, die in die Blutbahn gelangen). Nebenwirkungen werden nicht erwähnt. Sterilisation bei Frau oder Mann sei endgültig. Wenn ich früher die „Pille“ nicht vertragen habe, sei das wohl die falsche Pille gewesen. Der Eingriff erfolge mittels Saugcurettage in Narkose, nach Vorbehandlung mit Prostaglandin. Die Narkose sei unbedenklich.
Am Tag des Eingriffes darf ich morgens zuhause ein leichtes Frühstück einnehmen. Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten. Bereits als die Narkose zu wirken beginnt, fühle ich ein tiefes Gefühl der Erleichterung darüber, endlich von der ungewollten Schwangerschaft und allen damit verbundenen, massiven Belastungen befreit zu werden. Nach dem komplikationslosen Eingriff nochmals kurz schlafen, dann anziehen und abschließendes Beratungsgespräch mit dem Arzt, welcher nun etwas sanfter erscheint. Zur Therapie verordnet er mir die Pille „Madonella" und empfiehlt erneut die Hormonspirale „Mirena“ zur langfristigen Kontrazeption. Ich kann es nicht fassen, fühle mich jedoch zu erledigt, um großartig Widerspruch einzulegen. Möchte die Sache einfach nur hinter mich bringen und dann nix wie raus!
Die Nachuntersuchung eine Woche später bei der Frauenärztin ist OK, es wird jedoch das Antibiotikum „Doxybene“ verordnet, wegen unklarer Schmerzen im Unterbauch. Ich spreche trotz meiner erfahrungsbedingten Narkose-Angst den Wunsch nach einer Sterilisation aus (mein Partner kann sich nicht dazu durchringen). Diese werde im örtlichen Krankenhaus durchgeführt und koste ca. € 700,-. Daher ist der Eingriff bis dato noch nicht erfolgt. Andererseits kosten latexfreie Kondome (Partner verträgt kein Latex) € 17,- für 5 Stück!
Was noch lange nachklingt, ist die Narkose – zumindest rein empfindungsmäßig – und äußert sich durch Reaktionsverlust, Schwindel, Zittern, schnelles Schwitzen, Empfindungsstörungen im rechten Arm, etc. Es dauert fast zwei Monate, bis Besserung eintritt.
FAZIT: Der Abbruch war die reinste Erleichterung bzw. Erlösung! Schlimm waren nur die ständige Angst vor ungewollten Schwangerschaften, die ungewisse Zeit bis zur Feststellung der SS und die herablassende Art seitens des Arztes.
Ich wäre zu einem Suizid bereit gewesen, hätte ich keine Möglichkeit zu einem Abbruch gehabt. Ich verstehe bigotte Verleumdungen nicht, die dem Leben einer ungewollt schwangeren Frau weniger Rechte einräumen, als einem winzigen Embryo. Ein Abbruch inkl. kompetenter Beratung sollte in Krankenhäusern auf Kosten der Krankenkassen möglich sein, so wie jeder andere Eingriff auch. Pseudomoralische unterlassene Hilfeleistung seitens der Ärzte ist hier fehl am Platz. Die Situationsbelastung ist für Frauen ohnehin schon schwer genug.
Meine Entscheidung zum Abbruch war in jeder Hinsicht richtig. Dass man zeitweise etwas Trauer verspürt, ist wohl so normal wie in anderen Lebenslagen auch, wo Entscheidungen getroffen werden müssen. Während der Schwangerschaft empfand ich reinsten Hass gegenüber dem ungebetenen „Mitbewohner“ in meinem Bauch. „Es“ fühlte sich falsch an, gehörte nicht zu mir. Ich wollte „es“ so schnell wie möglich los werden. Danach fühlte ich mich befreit und erlöst!


Seraina
Der Schmetterling
Sofort nach dem Geschlechtsverkehr warst du da. Ich habe gewusst, da ist etwas. Ein wunderbares kleines Ich. Aber ich wusste auch, dass ich momentan nicht mit dir mein Leben teilen kann. Gedanken über Gedanken, Grübeln, wie weiter. Dann der Schwangerschaftstest. Klar positiv. Anruf bei der Frauenärztin mit gemischten Gefühlen. Mir war aber sofort klar, dass ich nicht für dich da sein kann. Es wäre naiv gewesen, dich zu diesem Zeitpunkt an mich binden zu wollen. Wie hätte ich zu dir schauen können? Meine Pläne hättest du zerstört. Im Babyalter wärst du sicher mein Engel gewesen, mein ein und alles. Aber wie hättest du dich verändert? Zum Problemfall? Und ich hätte dir dann sagen sollen, dass ich - und dein Vater noch weniger - dich gar nicht haben wollte, du schon von Anfang an in unserem Weg standest? Hättest du das verkraftet? Ich nicht…
Das Ultraschallbild zeigte einen kleinen Fleck. Schon 12mm gross. Das Gespräch mit der Ärztin war sehr aufwühlend. Weinend und unsicher verliess ich die Praxis. Am Abend informierte ich deinen Vater. Er war sehr zurückhaltend. Er sagte mir, dass er mich und dich nicht unterstützen könne. Er sei noch nicht bereit ein Kind zu haben. Er war froh, dass ich ihm mitteilte, dass ich dich nicht haben möchte. Sein Traum sei schon, Vater zu sein, aber nicht zu diesem Zeitpunkt. Wegen seinem Verhalten wollte ich nicht mehr mit ihm zusammen sein, keine gemeinsame Zukunft mehr haben. Die Trennung steht mir noch bevor. Du gibst mir den Mut und die Kraft dies zu tun, denn ich kann diese Person nicht mehr lieben.
Mit den Formularen bestätigte ich meinen Entscheid. Eine Woche später, vorvorgestern, der Eintritt ins Spital. Unter Vollnarkose wurdest du von mir getrennt, verabschiedet vom OP Personal. Ein Schmetterling wunderschön, mit samtig weichen und zerbrechlichen Flügeln, so bist du in meinen Gedanken von mir gegangen.
Hätte ich diesen Entscheid nicht gefällt, hätte ich ein Kind eines Menschen gebären müssen, für den ich keine Zuneigung mehr empfinden kann. Die Beziehung vorher war ja auch nicht befriedigend, meist ging es nur um das eine. Selten haben wir etwas zusammen unternommen, nie hatte er eine Idee, was wir zusammen machen könnten. Die Ideen kamen von mir. Du hast mir die Augen geöffnet. Vielen Dank dafür. Ich hoffe du verstehst, warum ich mich gegen dich und für meine Zukunft entschied. Dich kann und werde ich nie vergessen. Jeder Schmetterling wird mich an dich und an unser kurzes gemeinsames Leben erinnern.
Manchmal bin ich dem Weinen nah, manchmal kann ich laut lachen. Die Entscheidung bereue ich nie, ich frage mich nur, wie es so weit kommen konnte, warum es mich treffen muss. Ein Tabuthema eben. Meine Familie unterstützt meine Entscheidung und hilft mir in Zukunft darüber hinwegzukommen. Ich wurde wundervoll betreut und konnte offen darüber sprechen. Meine Eltern sahen ein, wieso ich dich nicht wollte. Sie drängten mich nicht zu einer Entscheidung. Aber wieso habe ich mich erst drei Tage vor deinem Abschiedsflug mitgeteilt? Ich, die ich doch sonst immer erfolgreich mein Leben meistern kann, habe mich vor der Blamage und der Reaktion gefürchtet. Es wäre besser gewesen, wenn ich mich schon früher jemandem anvertraut hätte, der mich und meine Sorgen verstanden hätte.
So, kleiner Schmetterling, jetzt weisst du, wieso unsere gemeinsame Zeit nur acht Wochen gedauert hat. Erinnerungen an dich werden mein Leben begleiten.


Marie aus Berlin
Ich spürte, dass etwas nicht stimmen konnte. Meine Regelblutung blieb aus, mein Kreislauf schwankte und ich fühlte mich generell unwohl. Ich kaufte einen Schwangerschaftstest. Als dieser mir das Ergebnis zeigte, war ich geschockt. Zwei Striche. Schwanger. Ich schaute den Streifen eine Ewigkeit schweigend an, bis ich in Tränen ausbrach.
Ich habe oft davon geträumt, wie es sein wird, wenn ich erfahre, dass ich schwanger bin. Solche Gedanken waren freudvoll. Und sie spielten in einer anderen Zeit. Nicht mitten in meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und mitten in der Lehre meines Freundes, nicht in finanziellen Engpässen, nicht mit dreiundzwanzig, nicht nach gerade mal zweieinhalb Jahren Beziehung. Nicht in dieser Wohnung, nicht in diesem Stadtteil, nicht in dieser Phase meines Lebens.
Das machte den Unterschied. Der Zeitpunkt war falsch. Da war keine Freude. Als mein Freund nach Hause kam, erzählte ich ihm die Neuigkeit, die auch ihn absolut unerwartet traf. Ich griff zum Hörer und wählte die Nummer meiner Frauenärztin. Eine Woche später saß ich - gemeinsam mit meinem Freund - vor ihr. Sie machte einen Ultraschall, der die endgültige Gewissheit brachte. Ich schaute auf den Monitor, in der Hoffnung, dass mich doch mütterliche Gefühle überkommen könnten. Wieder ein regungsloser Blick und der Gedanke "Oh bitte nicht, nicht jetzt. Das ist nicht richtig"...
[....]
Am Tag danach war ich traurig. Ich weinte manchmal. Nein, ich verspürte keinen Verlust oder wünschte mir die Schwangerschaft zurück. Ich wünschte mir nur, dass es zu dem Zeitpunkt gar keine Schwangerschaft gegeben hätte. Die vergangenen Wochen waren schwer und benötigten ihre Zeit, um verdaut zu werden.
Hier gehts zum ganzen Bericht von Marie...


Cornelia
Ich habe drei Kinder. Das erste bekam ich als ich 20 Jahre alt war. Es war nicht geplant, aber ich habe mich sehr gefreut. Nach 2 Jahren kam das zweite Kind zur Welt, dieses war geplant. Für meinen Mann wären 2 Kinder genug gewesen, ich wollte unbedingt noch ein drittes. Das kam dann 4 Jahre später zur Welt. Damit war unsere Familienplanung eigentlich abgeschlossen. Wir hatten nie viel Geld aber kamen gut über die Runden.
Etwa 8 Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes wurde ich wieder schwanger. Mein Mann und ich hatten Beziehungsprobleme. Mein erstes Kind war zu dieser Zeit depressiv, mein zweites Kind hatte soziale Schwierigkeiten in der Schule. Ich fühlte mich völlig unfähig, meinen Kindern zu helfen. Ich wusste, mein Mann wollte keine Kinder mehr, also habe ich mich gegen dieses Kind entschieden. Es war eine Entscheidung, die aus einer riesengrossen Angst entstanden ist. Angst, den Kindern, die ich schon hatte, nicht genug helfen zu können. Bis heute bereue ich meine Entscheidung, ich kann mit niemandem darüber sprechen, weil es so sehr schmerzt. Ich hätte mir gewünscht, dass ich damals ein Beratungsgespräch hätte führen müssen, vielleicht hätte ein Psychologe meine grosse Angst erkannt und mir helfen können.
Die Ärzte waren nett, ich wurde gut behandelt. Ich habe Tabletten bekommen. Mein Mann hat mich begleitet. Beim Einnehmen der Tabletten musste ich weinen, wieso habe ich sie nicht einfach fortgeworfen? Die Angst war einfach zu gross. Danach hat mir mein ganzer Körper weh getan. Ich wäre gerne vor mir selber geflüchtet. Am liebsten hätte ich einen Unfall gehabt der macht, dass ich diese Erinnerung verliere. Ich habe das Blut (mehr konnte man nicht erkennen) nachher im Garten begraben, habe Abschied genommen, erklärt dass ich zu schwach bin. Ich war unendlich traurig. Wieso habe ich zugelassen, dass ich in diese Situation komme? Verzweiflung!!!
Ich glaube für die Frauen, für die der Entscheid zur Abtreibung klar ist, für sie ist es gut so wie es ist. Für mich war es sehr schwer. 2 Jahre habe ich gebraucht, um aus meinem Gefühlstief herauszukommen, konnte also nicht wirklich für meine Kinder da sein, fühlte mich noch schuldiger. Habe ich die falsche Entscheidung getroffen? Ich weiss es nicht. Ich habe erst wieder mit meinem Mann geschlafen, als er bei sich die Samenleiter durchtrennen liess, solche Angst hatte ich davor, nochmals in die gleiche Situation zu kommen.
Weitere paar Jahre später hatte ich das Gefühl, so, jetzt geht es mir wieder gut.
Und nun ist meine Tochter schwanger, weiss nicht was tun, hat noch keine Ausbildung, Angst vor der Zukunft und sich für einen Abbruch entschieden. In mir kommen die ganzen Gefühle von damals wieder hoch. Ich bin blockiert, kann an nichts anderes mehr denken, wünsche mir, es wäre nur ein Alptraum aus dem ich erwachen kann. Und nun ist es meine grösste Angst, dass meine Tochter in ihrem Leben deswegen nicht mehr glücklich wird. Das ist das Einzige, was ich je wollte, dass meine Kinder glücklich sind.


Patricia
Ich habe diese Woche mit Schrecken festgestellt, dass ich schwanger bin. Nach meiner Rechnung müsste ich wahrscheinlich in der 7/8 Woche sein. Ich habe schon 2 Kleinkinder im Alter von 3 Jahren und 16 Monate. Ich habe mir jetzt ein paar Tage Gedanken gemacht. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich lieber kein Kind mehr möchte. Die Gründe sind:
1. Fühle ich mich nicht bereit, meinen Körper schon wieder zu teilen, habe meinen Sohn bis 15 Monate gestillt.
2. Hatte ich nach der Geburt von meinem 2. Kind eine starke Depression, und war total überfordert mit meinen beiden Kindern. Habe echt Angst, wieder in diese Situation zu kommen.
.........
Ich war am letzten Mittwoch in der Frauenklinik beim Ultraschall. Mein Mann hat mich nach dem Ultraschall zum Gespräch begleitet. Für mich war der Entscheid definitiv, aber trotz allem mit Emotionen verbunden. Beim Ultraschall vor dem Gespräch konnte ich die Bilder ohne Probleme verfolgen… Zum Glück war ich noch nicht soweit fortgeschritten, ich konnte mich noch für die medikamentöse Behandlung entscheiden. Am Sonntagnachmittag bekam ich dann die erste Tablettengabe und ging nach Hause. Je näher der Tag 3 (nur schon die Stunden waren das Problem) rückte, umso mehr bekam ich Angst vor der zweiten Tablettengabe. Am Montagnachmittag bekam ich leichte Mensbeschwerden und hatte Schmierblutungen. Ich schenkte dem nicht grosse Beachtung, sie sagten mir im Spital, das sei normal und dass die Chance für einen Abort vor der zweiten Tablettengabe sehr gering sei. Als ich dann ins Bett ging wünschte ich mir, dass ich in der Nacht einen Abort habe, damit ich nicht mehr die zweiten Tabletten nehmen müsste. Um 2 Uhr morgens erwachte ich, weil mein Sohn den Nuggi nicht mehr fand. Ich ging ins Kinderzimmer und auf dem Rückweg merkte ich, dass mir etwas aus der Scheide lief. Ich sammelte alles mit dem Urinbecher den ich in der Klinik bekommen hatte. Am Morgen stand ich mit einem sehr guten Gefühl auf, es war mir erstaunlicherweise auch nicht übel (wie in den letzten Tagen) Als ich dann in der Klinik den Becher abgab, sagte mir die Pflegefachfrau, falls es tatsächlich alles ist, müsse ich die Tabletten nicht nehmen. Ich musste warten. Ich bekam es wieder mit der Angst zu tun… Die Pflegefachfrau kam zurück und sagte mir, ich könne nach Hause. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Ich bin froh, ist es so gekommen und kann mich glücklich schätzen, dass ich zu den wenigen % gehöre, bei denen es schon nach den ersten Tabletten funktioniert. Es geht mir richtig gut mit meinem Entscheid. Aber ich weiss auch, dass ich dies nie mehr erleben möchte. Es wird garantiert nie mehr soweit kommen…


Inge
Meine Geschichte: Mit sechzehn Jahren wurde ich das erste Mal schwanger, aus Unwissenheit und Unbeholfenheit im Umgang mit Verhütungsmitteln, mangelndem Bewusstsein für den eigenen Körper und Überforderung mit der Spannweite, die Sexualität - gelebt als Frau - für Folgen haben kann. Dass es bedeutet, schwanger sein zu können, wenn ich im Körper einer Frau lebe. Was es bedeutet eine Frau zu sein. War ich auch schon eine Frau? Oder ein Mädchen mit einem Frauenkörper?
Der beteiligte Mann genoss kein Vertrauen meinerseits und war in den weiteren Vorgang nicht weiter eingeplant. Unterstützt hat mich dann meine Mutter. In dieser Zeit lebte ich in einem Mädchenwohnheim. Die dort tatkräftig wirkenden Frauen waren mit dieser Thematik wohl vertraut, unterstützten mich und begleiteten mich. Ich kann mich an kein Wort der Lenkung erinnern, keine beeinflussenden Worte, nur Begleitung und da sein.
So entschied ich mich mit vielen Fragen und Verwirrungen gegen die Schwangerschaft, für den Abbruch. Da waren Menschen, die mich begleiteten und unterstützten. Als ich die Schwangerschaft bemerkte, war sie bereits im fortgeschrittenen Stadium. Ob es das schlimmer macht? ich weiss es nicht. Ich überlege auch, ob die Bereitschaft meines Umfelds, mich zu unterstützen, es für mich nicht noch trauriger machte, weil die Bedingungen da gewesen wären und ich gegen keine Windmühlen hätte anrudern müssen. Doch letztlich ist es mein Körper und ich entscheide, was er trägt und was nicht.
Die weiteren Vorgänge hängen für mich im Nebel. Die erste Erinnerung habe ich erst wieder an die Klinik, in der der Abbruch durchgeführt wurde und an Schmerzen danach bei Druck auf den Unterleib. Ich erholte mich recht schnell und vergass.
Verabschiedet habe ich dieses Kind wohl, als ich eines Abends vor dem Abbruch mit zwei Frauen zusammensass und darüber sprach und vor Schmerz und Trauer laut aufheulen musste. Eine der beiden Frauen entzündete eine Kerze für mich und das Kind. Danach war Schweigen da und Gewissheit.
Ich empfinde eine tiefe Ungerechtigkeit und ich denke, frau muss sich als Frau ehren und lieben und schätzen. Denn sie ist ein Schatz und schützenswert und niemand, wirklich niemand darf über sie und ihren Körper verfügen, denn der gehört nur ihr allein.
Die Ungerechtigkeit, dass sie austragen muss, sie sich und ihren Körper zur Verfügung stellen muss, empfinde ich zutiefst. Als Segen oder Glück und Privileg kann dies nur erfahren werden, wenn eine Schwangerschaft erwollt und gewünscht ist.
Oft werden die Frau und die Folgen von ungeschützter Sexualität, die Gefahr die davon ausgeht, schlichtweg nicht beachtet. Das stellt ein enormes Risiko dar, eine ständige Angstquelle für die Frau, vor Verurteilung anderer, vor Sichtbarwerden von gelebter Sexualität, vor Konsequenzen. Solange die Frau nicht schwanger wird, ist vordergründig alles gut, doch sobald sie es sichtbar ist, gibt es ein sichtbares Zeichen, dass Sexualität stattgefunden hat und dass daran unwiderruflich zwei Menschen beteiligt sind. ZWEI. Doch die Entscheidung liegt allein bei der Frau und das ist etwas, was auch Männer hilflos und machtlos werden lassen kann.
Doch es bleibt dabei, die Entscheidung liegt bei der Frau.


Ina
Es war ein Schock, als ich erfahren habe, dass ich schwanger war. Ich habe zwar nicht mehr richtig verhütet, aber gar nicht mehr damit gerechnet. Die ersten zwei Schwangerschaften waren durch eine Hormonbehandlung zu Stande gekommen und ich habe nie daran geglaubt, dass ich mit 39 überhaupt noch schwanger werden konnte. Mit zwei fröhlichen Kindern von 3 und 6, gerade eine kleine, erfolgreiche Firma aufgebaut, dazu ein Mann, der absolut keinen Nachwuchs mehr wünscht, auch aufgrund seines Alters. Ich hatte das Gefühl als hätte ich keinen Boden mehr unter den Füssen und könnte gleich versinken, als ich die zwei Striche auf dem Schwangerschaftstest gesehen habe.
Wir haben nicht gerade ein sehr grosses Haus und deshalb wäre ein Platzproblem entstanden, wir leben aber in gut bürgerlichen Verhältnissen. Meine neue Firma hätte ich verkleinern müssen oder ganz aufhören obwohl ich mich gerade so darüber gefreut habe, dass sie so gut läuft. Es ist mein absoluter Lebenstraum, den ich da gerade verwirklicht habe. Zudem hatte ich keine Energie mehr für nochmals ein Kind. Ich laufe jetzt schon sehr am Anschlag, auch wenn die Kinder (meistens) ganz lieb sind. Aber die Ansprüche der Kinder steigen auch und ich bin am Abend nur noch froh, dass die Zwei im Bett sind und schlafe meistens schon vor dem Fernseher ein.
Zuerst habe ich mit meinem Frauenarzt über einen Schwangerschaftsabbruch gesprochen, meinte aber im Laufe der Zeit, einen Schwangerschaftsabbruch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren zu können, auch weil ich sehr christlich erzogen bin. Die ganze Zeit habe ich krampfhaft versucht, mich über diese Schwangerschaft zu freuen. Hatte viele Gespräche mit sehr guten Freunden und auch mit meinem Mann. Er hat versucht, die Situation zu akzeptieren.
Dann Ende der 10. Woche hatte ich wieder einen Termin beim Frauenarzt und da habe ich gemerkt, dass mein Mann die Schwangerschaft immer noch nicht akzeptieren konnte, jetzt da es immer konkreter wurde. Auch ich war nicht glücklich darüber. Unsere ganze Familie stand unter Strom und alle meine Pläne und Wünsche für die Zukunft waren über den Haufen gerührt. Da habe ich am nächsten Tag meinen Frauenarzt angerufen und gesagt, dass ich doch einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen möchte.
Die nötigen Papiere hatte ich schon beim ersten Mal vom Frauenarzt bekommen, hatte aber nochmals ein Gespräch. Jetzt wo ich den Entschluss gefasst hatte, wollte ich den Eingriff so schnell wie möglich machen lassen. Als ich dann ins Spital gegangen bin, war ich schon traurig, dass es so enden musste, aber auch sehr erleichtert. Im Operationssaal habe ich noch Tränen in den Augen gehabt und war nur gerne bereit, in die Maske zu atmen. Nach dem Eingriff hatte ich gleich das Gefühl, nicht mehr schwanger zu sein und war froh, dass alles vorbei war. Es wurde bei mir eine Absaugung vorgenommen und der Eingriff ging sehr schnell und es war gar nicht schlimm. Gut zwei Wochen habe ich noch geblutet und hatte ab und zu ein Ziehen im Unterleib. Danach war alles wieder normal.
Für die Entscheidung habe ich relativ viel Zeit gebrauch und bin immer noch froh, dass ich diese Zeit hatte. Eine schnelle Entscheidung hätte ich vielleicht nicht so gut verkraftet. Obwohl ich manchmal auch Trauer empfinde, überwiegt die grosse Erleichterung, dass mein Leben wieder seinen normalen Lauf genommen hat. Auch denke ich an die grosse Ungerechtigkeit, dass gerade ich schwanger wurde und nicht jemand, der sich das sehr wünscht. Ich bin der Meinung dass ein Kind ein Recht hat auf Eltern, die sich freuen, dass man auf die Welt kommt. Bei den ersten zwei Kindern war und ist das so.


Nora
Ich vermisse dich nicht. Ich weiß nicht, wer du gewesen bist und wer du hättest werden können, du bleibst Teil meines Lebens, aber ich vermisse dich nicht.
Unsere Beziehung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ich konnte dich nicht ertragen, habe mich schon nach den ersten neun Wochen von dir getrennt. Anfangs hatte ich Zweifel, ob es wirklich das war was ich wollte, ob ich das Richtige tue, wenn ich sage, dass ich dich nicht in meinem Leben haben will, dass du keinen Platz hast in mir. Und dann sprach ich das Urteil, hab es sogar schriftlich gegeben, mit Datum und Unterschrift. Überzeugt und endgültig habe ich dir verboten zu existieren.
Ob ich dazu berechtigt war? Ich denke schon. Schließlich ging es dabei auch um mein Leben... Mein Weg war zu unsicher um ihn mit dir zu teilen, da hattest du einfach keinen Platz. Ich hätte dich tragen müssen, allein. Ich wäre umgefallen und hätte Einen von uns unter dem Anderen begraben und ich wollte nun mal nicht der Eine sein! Und dich unter mir begraben wissen wollte ich auch nicht, also habe ich dich einfach rausgeworfen... Ich habe dich gar nicht erst nach deiner Meinung gefragt, darauf gewartet, dass vielleicht doch noch eine Lösung für unser Problem auftaucht, darauf gehofft, dass er mir vielleicht helfen könne... Egoistisch habe ich beschlossen nicht zu teilen, nichts von mir auf oder ab zu geben. Ich wollte mich für mich, für mich ganz allein.
Und ich mache mir keinen Vorwurf deswegen, nicht mehr. Du warst schließlich auch nicht besser. Nie hast du mich gefragt ob ich dich will, ob ich mich wohl fühle mit dir. Ohne Vorwarnung bist du aufgetaucht, warst da, hast es dir bequem gemacht und bist stumpf da geblieben, bis ich dich rausgeworfen habe. Als sei das selbstverständlich, bist du davon ausgegangen, dass ich dir mein Leben opfere und dich dabei noch mit Freude aufnehme. Du hast es nicht verlangt, vielleicht hast du es dir nicht einmal wirklich gewünscht aber es war deine Vorraussetzung für unsere Zukunft. Aber so geht das nicht!
Ich glaube schon, dass ich dich irgendwann geliebt hätte, vielleicht habe ich das sogar getan. Immerhin, neun Wochen warst du ein Teil von mir... Allerdings werde ich das, so wie viele andere Dinge, nie erfahren. Ich werde nie erfahren, ob wir vielleicht doch glücklich gewesen wären miteinander, ob du mich geliebt hättest wie ich dich hätte lieben sollen, ob ich dir den Weg zu deinem Glück hätte bereiten können. Ich werde dir nie etwas zum Geburtstag schenken, was auch besser ist, denn ich weiß ja gar nicht, was dir gefällt und wir werden nie gemeinsam durch den Schnee laufen und unter Weihnachtsbäumen warme Milch mit Honig aus extra großen Tassen trinken. Nie wirst du mich morgens kitzeln, um mich zu wecken und nie werde ich dich dabei beobachten wie du schläfst. Diese Gedanken wecken eine Sehnsucht in mir und trotzdem, ich vermisse dich nicht!
Es zerreißt mir das Herz, dass ich diese Entscheidung treffen musste, aber es war richtig. Du fehlst mir nicht, es geht mir besser, ohne dich. Ich war einfach noch nicht bereit, ich war nicht bereit deine Mutter zu sein. Ich habe dich abgetrieben und ich vermisse dich nicht.


Irma
Ich war erst 19 geworden, nach meiner Geburtstagsfeier blieb mein Freund zum Übernachten bei uns zu Hause. Meine Mutter hatte mich schon früh aufgeklärt, ich wusste über Verhütung einiges... doch bis vor kurzem hatte ich gar kein so aktives Sexualleben, wollte aber nun irgendwann zum Frauenarzt um mir die Pille verschreiben zu lassen, dachte aber es sei nicht so dringend. Mal verhüteten wir mit Kondom, selten mit der Coitus interruptus Methode (die ja keine ist). An diesem Abend war er etwas angetrunken. Ich weiss noch, als wir ins Zimmer gingen, sagte meine Mutter zu mir: "Pass auf, du weisst ja...". Ich hab mich sehr über sie  aufgeregt, irgendwie hab ich heute das Gefühl, dass ich damals alles über Sex+Verhütung wusste, aber trotzdem die Hochnäsigkeit und die Sicherheit hatte": Mir passiert doch sowas nicht, so schnell wird man nicht schwanger!".
Das selbe hab ich gedacht, als ich nach dem Verkehr aufstand und mir die Samenflüssigkeit den Beinen entlang rann. War zwar erschrocken, dachte aber sofort, dass bestimmt nichts passieren wird - "Pille danach" kein Thema.
Na ja, ein paar Wochen später, an einem verregneten Nachmittag, machte ich einen SS-Test, der natürlich positiv ausfiel. Ich war so erschrocken und erstaunt, dass ich ihn in den Müll geworfen hab und erst mal keine Gefühle mehr hatte, konnte nicht denken, nicht fühlen, nichts.
Nachts konnte ich dann auch etwas nicht, nämlich schlafen.
Mein Freund sagte mir, als er es erfuhr, dass wir sofort was dagegen machen müssten, sofort! Ich brach innerlich zusammen, fühlte mich wie ein defekter In-Vitro-Behälter.
Als ich es endlich meiner Mutter (die es vor mir ahnte) sagen konnte, schickte sie uns zu einer Familienberatungsstelle.
Die Frau war sehr nett und kompetent und vor allem neutral. Sie informierte uns über alles. Die Entscheidung müsse ich aber alleine treffen.
Die hatte ich aber noch nicht getroffen. Die nächsten paar Wochen kommen mir im Nachhinein wie Jahre vor: ich wollte eigentlich noch kein Kind, musste ja noch die Matura/Abi machen, wollte an die Uni... vor allem fühlte ich mich nicht "parat", Mutter zu werden.
Anderseits hatte ich schon immer Kinder geliebt und die Kinder liebten mich. Ich war auch irgendwie stolz, dass mir so was Spezielles passiert war, dass ich ein Kind in mir trug!
Aber meine Mutter war nicht begeistert, mein Freund hätte mich nicht unterstützt, die Schule? Und und und.
Ich konnte mich nicht entscheiden, ging sogar zu einem pseudo-Psychiater, der mir dann erzählte wie jung doch seine Frau war als sie die Kinder kriegte, und wie glücklich, und fragte mich sogar, ob ich in jener Nacht Spass hatte, dass sei ja das Wichtigste, ob ich zum Orgasmus gekommen wäre! Ich fühlte mich ein bisschen wie vergewaltigt, natürlich psychisch.
Schlussendlich war ich müde, wie ausgelaugt, wollte nur noch, dass alles ein Ende nimmt - nicht die Schwangerschaft, nein, der Druck und der Stress. Ich war so müde, dass ich den anderen eines Tages einfach Ja gesagt habe. Ja, ich treibe ab.
Ich konnte bei der Familienberatungsstelle die Methode wählen: Chirurgisch.
Die Frau gab mir eine Vaginaltablette, die ich ein paar Stunden vor dem Eingriff einführen sollte, um den Mutermund zu erweichen. Sie sagte mir auch, ich könne meine Meinung bis vor dem OP noch ändern.
So wahr waren diese Worte jedoch nicht.  Schon auf dem Weg zum KH hatte ich eine leichte Blutung. Als ich im Bett vor dem OP war, kriegte ich plötzlich Panik: ich wollte doch nicht mein Kind wegmachen lassen! Also durfte ich wieder zurück ins Zimmer.
Doch mittlerweile hatte ich wehenartige Schmerzen, eine starke Blutung. Mein Freund verstand die Welt nicht mehr. Der Assistenzarzt kam wie angestochen ins Zimmer gerannt und schrie mich an, was ich wohl meine, so jung ein Kind zu kriegen, was sei dann mit der Ausbildung und sowieso?!! Das ist keine Lüge, so lief es ab. Dann machte er einen US und sagte ganz kalt: "Da is nix mehr". Erledigt.
Für mein damaligen Partner war's auch erledigt, er musste plötzlich weg, meldete sich dann wochenlang nicht mehr, und als er es tat, war es um mich zu verlassen.
Einfach war diese Zeit nicht, ich bin innerhalb von 2 Monate ein paar Jahre "älter" geworden.
Ich fühlte mich die ersten Tage als sei alles gar nicht real. Dann kam die Leere, dann die Trauer, eine grosse Trauer. Aber Trauer heisst Abschied, und Abschied heisst, dass wenn der Zug abgefahren ist man wieder weiterlebt: Ich machte meine Matura, traf meinen jetzigen Partner, ging studieren. Ich hab den Schwangerschaftsabbruch als ein Teil meines Lebens akzeptiert.
Manchmal, es sind nun 10 Jahre her, kommt eine gewisse Traurigkeit auf, oder ich erinnere mich an kleine Details von damals. Schuldgefühle habe ich fast keine mehr.
Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema kein Tabu mehr wäre, dass man mit jedem darüber sprechen könnte. Ohne Vorurteile.
Das, denke ich, wäre eine grosse Erleichterung für die Frau, und zwar während der Entscheidungsphase wie auch danach.


Johanna
Ich hatte vor ein paar Tagen meinen 3. Abbruch, fühle mich schuldig und traurig.
Meine Geschichte ist ziemlich kompliziert und hat mein Leben verändert !!
Ich wurde zum ersten Mal schwanger als ich 15 war. Damals war ich in meinen ersten Freund unglaublich verliebt und wollte das Baby unbedingt haben. Doch meine Familie hat mich zur Abtreibung gedrängt. Ich hatte keinen anderen Ausweg und habe es über mich ergehen lassen. Mir war damals einfach klar, dass ich mit 15 nicht nur zu jung bin, sondern auch, dass ich dem Kind nichts bieten könnte und auf Unterstützung angewiesen wäre.
Danach hatte ich Depressionen und ein selbstzerstörendes Verhalten!! Mit 17 wurde ich dann gewollt von meinem Freund wieder schwanger. Ich hatte zwar Angst, doch ich wollte nichts mehr auf der Welt als dieses Kind haben !! Aber die Natur hat sich gegen meinen Wunsch und meine Sehnsucht entschieden. Ich habe es in der 17. Woche verloren. Ich lag eine Woche lang im Spital, hatte sehr starke Blutungen und bekam Antidepressiva, damit ich es irgendwie verkraften konnte.
Danach versuchte ich es zu verdrängen, doch als ich einen Monat später, aufgrund schlechter Verhütung, wieder schwanger war, war das nicht möglich. Es war natürlich unverantwortungsvoll gleich danach wieder schwanger zu werden, ich war wirklich so naiv, dass ich damals dachte, wenn ich einmal nicht verhüte wird nichts passieren können, weil ich ja vor paar Wochen eine Fehlgeburt hatte.
Diesmal habe ich mich gleich entschieden es nicht zu bekommen. Weil ich noch mit meiner Trauer beschäftigt war, und weil ich Angst hatte, es wieder zu verlieren. Ich sagte mir, dass ich lieber abtreiben will, bevor ich wieder ein kleines totes Baby in den Armen halten darf. Meine Beziehung ist zu dem Zeitpunkt an der Fehlgeburt zerbrochen, so fiel mir eigentlich die Entscheidung nicht schwer. Und ich bereute es auch nicht.
In den vergangen 4 Jahren gab es nicht einen Tag, an dem ich nicht an diese Erlebnisse denken musste, die ich mit meiner Jugendliebe teilte und ich bin sehr verletzt darüber, dass wir in so jungen Jahren so einen Schicksalsschlag erleben mussten!! Ich habe inzwischen eine Essstörung bekommen, und wieder ein selbstzerstörendes Verhalten entwickelt.
Und gerade als es mir besser ging, erfuhr ich, dass ich von meinem Verlobten schwanger war. Es war ein Wunschkind und ich freute mich ziemlich darüber. Doch nach ein paar Wochen bekam ich Angst, weil ich weiss, dass ich Probleme habe und ich allein dem Kind nicht viel bieten konnte. Zwar ist mein Verlobter ein wenig älter und wir hätten keine finanziellen Probleme, doch ich will nicht von jemandem abhängig sein.
Ich wollte immer meinem Kind alles geben können was es braucht, aber das kann ich leider nicht, deswegen habe ich vor ein paar Tagen den Abbruch machen lassen. Ich habe einen Monat lang überlegt, und habe mich gefragt ob es nicht vielleicht die Angst sein könnte es wieder zu verlieren, doch mein Gefühl sagte mir immer wieder, dass jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Und ich verlasse mich auf mein Gefühl, weil ich weiss, dass es das Richtige war.
Auch wenn es mir unglaublich leid tut, dass ein Wesen nicht leben darf, weil ich ihm dieses Leben nicht geben kann, welches ich ihm gerne geben würde.


Elisa, 24
Warum denken Abtreibungsgegner eigentlich, eine Frau die abtreibt sei automatisch ein schlechter Mensch und eine schlechte Mutter? Und obendrein selbstverständlich arbeitslos? Das wurde mir jedenfalls vorgeworfen, als ich meine Fragen über Abtreibung in ein Forum schrieb.
Vor etwa 2 Wochen bemerkte ich meine Schwangerschaft. Ich betreibe NFP und die Kurve sah aus, wie bei meiner ersten SS. Natürlich war der Test positiv. Für mich war klar, dass ich dieses Kind nicht behalten konnte.
Meine Ehe stand vor dem Aus, da mein Mann seit anderthalb Jahren schwer spielsüchtig war. Er verspielte nicht nur seinen ganzen Lohn, sondern auch das Kindergeld für unsere 8 Monate alte Tochter. Mein Kind weinte vor Hunger und ich konnte nichts tun als in der Nachbarschaft nach Milch und Brot zu betteln. Ich wollte mich scheiden lassen, wegziehen und wenn meine Tochter 1 ist, wieder in meinen alten Beruf einsteigen (soviel zum Thema arbeitslos). Als ich meinem Mann mit Trennung drohte, verbesserte er sein Verhalten eine Weile. In dieser Zeit wurde ich schwanger. Tja. In dieser Situation noch ein Baby?!
Unmöglich! Ich hatte keine Unterstützung, würde nicht wieder arbeiten können und ich würde die Trennung vermutlich auch nicht schaffen. Meinen Mann interessierte das ganze sowieso nicht. Der einzige Ausweg: Abtreibung.
Heute am 21.5.2010 um 8:10 Uhr habe ich meine Schwangerschaft abbrechen lassen. Ich war unendlich erleichtert, dass ich diese Sorge nicht mehr hatte. Noch am selben Tag habe ich ein neues Konto eröffnet, auf das mein Mann keinen Zugriff hat und andere überfällige Dinge erledigt. Ich könnte Bäume ausreißen! Als nächstes werde ich mich um die Scheidung kümmern und mit meiner Tochter ausziehen. Sie soll NIE WIEDER hungern! Mit einem 2ten Baby würde das ganze wohl anders aussehen.
Ich bin sehr froh über meine Entscheidung, die zu 100% die richtige war. Und wenn mich deswegen jemand für einen schlechten Menschen hält, bitte sehr. Meine Kleine und ich, wir werden trotzdem glücklich.


Maria, 23
Im ersten Augenblick habe ich mich über den positiven Test gefreut, es war ein schönes Gefühl schwanger zu sein, ein Kind zu bekommen, doch dann, einige Tage später begriff ich, was ein Kind für meine und seine noch nicht vorhandene Zukunft bedeutet... meine Situation ist so: Ich bin keine Deutsche, ich fahre jedes Jahr in den Ort in Urlaub, aus dem ich komme... nun ja, dieses Jahr habe ich einen Mann kennen gelernt. Er ist sehr lieb und er ist jetzt bei mir, hier in Deutschland zu Besuch, bloß als Tourist... na ja, wir haben einfach nicht nachgedacht, jetzt weiß ich gar nicht mehr wieso, denn ich bin eigentlich ein Mensch, der fast alles voraus plant und überdenkt... diesmal nicht... und dann der positive Test. Die nächsten Monate würden so aussehen, dass ich bei meiner Arbeit (Erzieherin) gesperrt werden würde, weil ich nicht alle Impfungen habe die ich benötige, um bis zum Schluss arbeiten zu können. Mein Freund hat keine Arbeit, ich habe dann nur Elterngeld, aber meinen jetzigen Lohn erhalte ich erst seit 3 Monaten, und man muss 12 Monate Lohn erhalten haben, damit man mit dem Elterngeld auskommt. Mein Freund könnte ALG 2 bekommen, aber wir wollen Arbeit haben und eine sichere Zukunft für unser Kind.
Ich habe mit MIFEGYNE abgetrieben. Der Entschluss abzutreiben fiel mir sehr schwer und ich habe sehr viel geweint, ... vor allem als ich das Ultraschallbild gesehen habe... als ich die ersten 3 Tabletten einnehmen musste, sind sie mir fast im Halse stecken geblieben. Gestern war der 2. Termin. Ich habe starke Schmerzen gehabt. Als ich nach 3 Stunden auf die Toilette ging (in der Praxis), kam eine Menge Schleim und Blut. Ich weiß nicht, ob ich diesen Anblick je vergessen werde... Ich war in der 8. Woche. Jetzt muss ich jedes Mal weinen, wenn ich daran denke. Gestern war ich bloß wie betäubt und wusste nur, dass ich es hinter mich gebracht habe. Ich werde mein Kind nie vergessen, ich habe bzw. wir haben es vom ersten Moment an geliebt.


Ronja, 20
Meinen Abbruch hatte ich vor anderthalb Jahren, im Oktober 2008, das war kurz vor meinem 19ten Geburtstag. Meinen Freund sah ich nur selten, da ich in Norddeutschland lebte und er in Österreich. Als ich den positiven (wieso heißt das eigentlich positiv?) Test hatte, war er leider bereits wieder zu Hause. Ich musste hier zur Schule, er in Österreich arbeiten, zusammenziehen und auf Familie machen war also undenkbar. Ganz abgesehen davon wollte ich kein Kind, ich ekelte mich vor ihnen und konnte mit ihnen nichts anfangen.
Ich rief ihn also an, erklärte ihm die Lage und sagte, dass ich abtreiben würde. Er war völlig fertig und machte sich Vorwürfe, aber unterstützte mich in meiner Entscheidung, wofür ich ihm heute noch dankbar bin.
Dann kam das übliche: Zum Frauenarzt, er bestätigte die Schwangerschaft und gab mir ein Bild, welches ich beim Rausgehen allerdings in den Papierkorb fallen ließ, am selben Tag zu Pro Familia und den Schein holen. Die Beraterin war nicht sehr kompetent. Sie war selbst hochschwanger und schwärmte die ganze Zeit davon, wie schön es sei, ob ich mir ganz sicher wäre und so weiter. Nach 1 1/2 Stunden hatte ich endlich den Schein und einen Abbruchtermin.
Zum OP-Tag, ich wollte eine Absaugung, ist mein Freund extra wieder angereist um mich zu begleiten. Den Eingriff hatte ich unter Vollnarkose, danach kaum Schmerzen, nur ein wenig Krämpfe. Ich fühlte mich als könnte ich Bäume ausreißen! Mein Freund machte sich schon fast wieder Sorgen wegen meiner Euphorie, aber es war einfach die Erleichterung.
Zu Hause wartete ich dann auf Schuldgefühle, die danach ja angeblich immer eintreten und einen zerstören, aber sie kamen nie. Bis heute nicht. Ich habe den Eingriff NIE bereut, weil es das absolut Richtige war. Ich denke kaum noch daran, nur kurz, wenn ich vorhabe Sex zu haben und dann überprüfe ich meine Verhütung noch einmal.
Ob ich es wieder tun würde? Auf jeden Fall. Uns ist dadurch kein Schaden entstanden, im Gegenteil. Mit Kind wären wir wohl schon längst getrennt und ich müsste von der Sozialhilfe leben.


Vanina
Ich bin 22 Jahre alt und habe nun schon vor über einem Jahr meine SS abgebrochen. Vergessen kann ich es bis heute nicht und die Trauer über mein "verlorenes Kind" wird wohl auch nie ganz verschwinden. Ich habe mir hier schon ein paar Texte durchgelesen und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, verstanden zu werden. Mein Freund stand zu mir, die Ärzte waren OK und meine beste Freundin hat mir nie das Gefühl gegeben, etwas falsch zu machen. Aber trotzdem musste ICH die Entscheidung treffen und die Verantwortung übernehmen. Und auch wenn mein Freund und meine Freundin mir gesagt haben, dass ich richtig gehandelt habe, weiß ich doch, dass sie nicht so fühlen können wie ich, weil sie einfach nicht in der Situation waren.
Umso besser fühle ich mich, wenn ich auf Leute stoße, denen es genauso ging und ich einen Ort habe wo meine Abtreibung kein Geheimnis sein muss. Viele Frauen behaupten ohne nachzudenken, sie würden ihr Kind sofort behalten. Ja... das hätte ich auch gerne gemacht, aber die Realität sieht anders aus, auch für diese Frauen!! Im Dezember 2008 habe ich von meiner SS erfahren und sofort einen Termin zur Beratung vereinbart.
Zu der Zeit studierte ich und wohnte bei meinen Eltern. Um ehrlich zu sein, schäme ich mich und habe das Gefühl, versagt zu haben. Ich schaffte es nicht einmal, mich selbst zu versorgen und dann will ich auch noch ein Kind in die Welt setzen?
Mein Freund hatte zwar einen fixen Arbeitsplatz, aber wollte sich selbstständig machen (was er mittlerweile auch ist) und mit Kind hätte ich ihm seinen Traum zerstört. Außerdem wäre es nicht mehr "mein" Baby gewesen, weil ich alle anderen Leute hätte anbetteln müssen, dass sie für mein Kind zahlen und drauf aufpassen, damit ich mein Leben auf die Reihe bekomme. Dann stand da noch für mich zur Frage was ich denn meinem Kind (wenn schon nicht finanziell) denn sonst zu bieten hatte. Ich denke dabei nicht nur an ein Baby... das ja eigentlich schon zufrieden ist, wenn es geliebt wird und satt ist. Aber was ist wenn es größer wird und ein Vorbild sucht... ich bin selbst noch nicht erwachsen, habe noch keine gefestigte Persönlichkeit und Werte die ich einem Kind vermitteln könnte.
Als ich dann also vor den Tabletten saß, war die Entscheidung für mich eindeutig. Ich nahm sie ohne zu zögern und hatte zu dem Zeitpunkt auch kein Problem damit. Erst als die Blutung einsetzte weinte ich und habe verstanden, dass es kein Zurück mehr gab. Ich hatte das Gefühl, mein "Kind" getötet zu haben. Ein bisschen habe ich das Gefühl noch heute, aber mittlerweile weiß ich, dass der eigene Körper sich selbst in den ersten 3 Monaten von "Natur aus" noch entscheiden kann, ob er es behält oder nicht. Und bei 20% der festgestellten SS kommt es zur Fehlgeburt. Mir hilft diese Zahl ein bisschen, mich nicht so schuldig zu fühlen.
Bei der Abtreibung hatte ich keinerlei Schmerzen und ich habe es körperlich fast nicht gemerkt. Vielleicht habe ich mich deshalb auch noch eine ganz Zeit lang schwanger gefühlt. Ich wünsche mir seit diesem Erlebnis nichts sehnlicher als ein Kind und trotzdem darf ich diesem Wunsch nicht rücksichtslos nachgeben. Ich glaube, ich habe sehr viel Verantwortung und Stärke bewiesen, diesen Weg zu gehen und ich hoffe, dass dieses Recht der Selbstbestimmung über den eigenen Körper irgendwann in unserer Gesellschaft selbstverständlich ist und wir uns öffentlich bekennen und gemeinsam unterstützen können.
Danke für diese Seite und allen die so etwas durchmachen mussten: Wir haben nicht versagt und wir sind auch keine schlechteren Menschen. Und noch etwas! Es sind 20.000 Frauen jedes Jahr allein in Österreich! Wir sind nicht alleine!  ;)

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