Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Berichte von Frauen

Rebecca

Ich habe letzten Sommer einen Abbruch vornehmen lassen.
Naja..ich bin nun mal noch sehr jung..mein Freund(18) und ich(18) waren damals seit einem 3/4 Jahr zusammen..(und sind es noch bis heute)..dafür bin ich ihm sehr dankbar..

Sommer 2015: Nun..ich hatte meine Tage noch nie regelmäßig..weshalb es mich auch nicht wunderte, dass sie einige Tage überfällig waren. Ich klagte nun auch seit ca. 3 Tagen über Bauchschmerzen, als meine Mutter mir riet, ich solle doch mal zum Arzt gehen. Gesagt getan, sie vermutete eine Blinddarmentzündung.
Meine Ärztin war ratlos, da die Symptome zu keiner ihr bekannten Krankheit passten, machte sie einen Ultraschall... und was sie mir dann sagte, riss mir den Boden unter den Füßen weg!
"Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger!" Grinsend hielt sie mir das Ultraschallbild hin.
Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen und brach in Tränen aus. Sie wollte mir Mut machen, sprach mir gut zu und fragte mich über meinen Beziehungsstatus aus.
Meine Antwort kennt ihr ja... ich war damals glücklich verliebt...naja, sie sagte wir werden das schon schaffen, stellte mir die Überweisung zum Gynäkologen aus und wünschte mir viel Glück.
Ich ging also..zu meinem Glück war es grad erst 11.00 Uhr an einem Dienstag und ich wusste ich hatte noch Kunst. Auf dem Weg zur Schule rief ich beim Gynäkologen an und machte für nachmittags einen Termin aus. Ich dachte es würde mich ablenken, meine besten Freundinnen zu sehen...falsch gedacht! Als ich in der Schule ankam, sahen mich 30 verdutzte Gesichter an und ich hörte ungefähr 1000 mal die Frage, warum ich denn hier sei, ich sei doch krank.
Naja...auf den Unterricht konnte ich mich nicht wirklich konzentrieren...auch meinen Freundinnen fiel dies auf...als sie mich jedoch ansprachen und ich ihnen ins Gesicht lügen musste, dass es mir gut ginge und mir zuhause nur langweilig gewesen wäre...war mir nur speiübel und ich wäre fast in Tränen ausgebrochen.
Nach der Stunde ging ich mit meinen Freundinnen nach hause...nach und nach verabschiedeten sie sich...bis ich allein war. Zuhause angekommen, war ich Gott sei dank allein.
Die Zeit bis zum Arzttermin zog sich und es kam mir vor wie Stunden...um 13.30 hatte ich dann meinen Termin...ich machte mich also auf den Weg zur Praxis. Dort angekommen reichte ich der Empfangsdame meine Überweisung...sie lächelte mich an und gratulierte mir.
Die Zeit im Wartezimmer war unerträglich! Als ich dann Minuten später im Behandlungsraum auf "DEN STUHL" musste, hatte ich echt Schiss..
Naja...das Ergebnis war: 11. SSW...
Nun wollte sie mit mir das weitere Vorgehen besprechen...ich hörte ihr nur halbherzig zu, während ich auf dem Poster an der Wand die ungefähre Größe meines Babys zu sehen bekam...Ich war erstaunt und erschreckt zugleich...noch so klein...aber gruselig..
Als das Gespräch zu Ende, war holte ich mir noch einen neuen Termin und verschwand aus der Praxis..
Der restliche Tag blieb mir nur schleierhaft in Erinnerung.
Als ich dann abends im Bett drüber nachgrübelte, was denn nun der "am wenigsten gefährliche Weg" sei, es meinem Freund und unseren Eltern zu sagen, fand ich einfach keine Lösung...ich muss dann wohl irgendwie eingeschlafen sein...die nächsten Tage gingen auch nicht weniger langsam an mir vorbei...schlaflose Nächte und tagsüber am einschlafen.
Nun kam der Donnerstag...ich wusste, ich würde IHN heute sehen...also musste ich es ihm sagen.
Es war Nachmittag als wir uns trafen, den ganzen Tag hatte ich überlegt, wann und wie ich es ihm sage...
Nun war der Zeitpunkt gekommen...wir gingen spazieren und ich fing an, wie man das halt so tut mit: "Schatz..ich muss dir was sagen..." er starrte mich an... "nein nicht das.." antwortete ich...
naja...das war echt das schwierigste Gespräch der Welt...ich fragte ihn ob er mich liebe und ob er es liebe mit mir zu schlafen, was er beides bejahte... worauf ich ihn nach den Konsequenzen von SEX fragte...da machte es KLICK bei ihm und er blieb prompt stehen. "das ist nicht dein Ernst!?" bekam ich zu hören und "bist du dir wirklich sicher??"
Ich bejahte beides und erzählte ihm von meiner Ärztetour am Dienstag...er fragte, wie lange ich schon schwanger sei und warum ich es nicht früher gemerkt hätte...diese Fragen konnte ich ihm eher weniger gut beantworten...naja ich gab das wieder, was meine Ärztin vermutete...er war geschockt!
5 Minuten kam erst mal kein Mucks von ihm...wir gingen weiter neben einander her...bis er plötzlich wieder stehen blieb...ich drehte mich um...er schloss mich in seine Arme..."Puh..." war alles, was er raus brachte...er küsste mir die Stirn und flüsterte mir ins Ohr: "Egal was passiert ,ich stehe zu dir und lasse dich nicht allein! Denn ich liebe dich!"
Wir gingen schweigend weiter...nun hatte ich ein kleines Lächeln auf dem Gesicht.
Als wir bei mir zuhause ankamen, legten wir uns erst mal in mein Bett. Ich lag in seinen Armen und schon nach wenigen Augenblicken und einem sanften Kuss schlief ich ein.
Als ich Stunden später wieder wach wurde, saß er am Computer und war wie wild am googlen...er suchte nach Tipps für junge Paare, die ein Kind erwarteten und las sich schlau..(echt süß)..
Abends fuhr er dann wieder nach hause...wir hatten abgemacht, es am nächsten Tag unseren Eltern zu sagen. Erst seinen, die sehr streng und konservativ waren und dann meiner Mutter, die sehr einfühlsam und verständnisvoll war. Wir hatten bewusst den schweren Weg zuerst gewählt.
Als wir am Nachmittag bei ihm waren, setzten wir uns an einen Tisch. Ohne lang drum herum zu reden sagte ich: "Ich bin schwanger!" Wir sahen in geschockte und maßlos enttäuschte Augen.
Dann ging es los...Die Vorwürfe prasselten nur so auf uns hernieder... einer nach dem anderen...wir bekam ganz klar nur eine Meinung zu hören und besonders zu spüren: ABTREIBUNG! Beide standen vom Tisch auf und gingen in getrennte Richtungen ihren Tätigkeiten wieder nach.
"Ich geh dann wohl besser.." sagte ich und drehte mich zur Tür.."Ich komme noch kurz mit raus."...Wir gingen also vor die Tür. "Meinst du das gibt Ärger?" "Oh ja..." antwortete er etwas ängstlich und vorahnend.
Er umarmte mich und wir küssten uns..."Bis morgen" verabschiedeten wir uns voneinander und ich ging...kurz bevor er drinnen verschwand, rief ich ihm noch ein "Viel Glück" zu...dann ging es los: sein Vater bekam den Wutausbruch des Jahrtausends! Er schrie auf ihn ein, wie blöd er doch sei und wie teuer so was ist, er verbaue sich seine ganze Zukunft. Ein uneheliches Kind! Pfui!
Ich ging schnell weiter...das letzte, was ich hörte war: Dieses Kind sei eine Schande und wenn ich es zur Welt bringen würde, würde er seinen Sohn vor die Tür setzen!
Ich war entsetzt...wieder zuhause angekommen, wartete ich auf einen Anruf von ihm..
Ich kauerte in der Ecke unter meinem Schreibtisch...jetzt fühlte ich die Schande...und ich schämte mich...ich brach in Tränen aus und als meine Mutter wenig später nach hause kam, beichtete ich ihr mein unglückliches Problem.
Sie reagierte in der Tat sehr verständnisvoll...kam jedoch zu demselben Entschluss wie seine Eltern: Dieses Kind dürfe nicht leben. Fast die ganze Nacht telefonierte ich mit ihm und wir spendeten uns gegenseitig Mut...er erzählte mir von dem Wutanfall und ich ihm von dem Trösteversuch meiner Mutter...jedoch kamen alle zum gleichen Schluss...und je mehr wir drüber redeten, was sie davon hielten, desto weniger fanden wir Gegenargumente...
Das machte uns traurig und wir weinten gemeinsam...neben dem Telefon schliefen wir ein.
Noch an diesem Freitag hatte meine Mutter mit seinen Eltern gesprochen und vor allem seinem Vater erklärt, dass er in dieser Situation total falsch reagiert habe. Sie machten einen Termin bei profamilia am Montag Vormittag..
Wir waren uns immer noch nicht sicher, was wir von der Sache halten sollten...eigentlich waren wir beide von der Idee "Baby" sehr fasziniert..
Bei dem Gespräch kamen dann die harten Fakten auf den Tisch und allmählich verblasste diese Faszination...
Nach dem Gespräch bekamen wir also die Bescheinigung...der erste Schritt zum Ende war getan. Unsere Elter waren sichtlich erleichtert...wir eher verstört..
Ab hier machte ich nichts mehr ohne ihn! Ich konnte einfach nicht... Jetzt ging es wieder zum Frauenarzt...ich holte mir auf Verwundern meiner Ärztin den Schein für die Krankenkasse... und dann ging es dort hin...es war schlimm...alle wussten es...es ging um eine Abtreibung und nun wollte ich auch noch Geld dafür! Die Blicke waren gerechtfertigt...und trotzdem brannten sie auf der Haut...Wir bekamen schließlich auch das OK der Krankenkasse und nun stand dem nichts mehr im Weg.
Wieder zuhause machten wir gleich einen Termin zur Vorbesprechung in der Klinik, am Mittwoch...Der besagte Mittwoch kam und wir fuhren hin...Mein Freund, meine Mutter und ich..
Zum Glück konnte sie alles ausfüllen...ich musste dann nur noch mal zum Ultraschall und auf DEN STUHL...der Arzt dort erzählte mir, ich wäre nun schon in der 13. SSW...die letzte Möglichkeit...Als meine Mutter dies erfuhr, drängte sie auf einen Termin noch diese Woche...den wir dann auch bekamen...
Es sollte gleich den Freitag darauf passieren...
Ich war noch nicht bereit...Den ganzen Donnerstag lagen wir nur im Bett und weinten...wir versuchten das Positive zu sehen..
Als der Freitag nun da war, wollte ich gar nicht aus dem Bett...als ich dann doch aufstand, rannte ich schnurstracks zum Klo um mich zu übergeben...vor ekel...ich ekelte mich selbst an..
Im Krankenhaus angekommen, bekam ich sofort mein Zimmer, Kittel und die Medikamente...Ich zog mich um...so vegetierte ich dann 3 Stunden vor mich hin...während meine Mutter zwischendurch seelenruhig einkaufen gehen konnte, lag mein Freund neben mir...er hielt mich im Arm und streichelte mir den Kopf...halb verschlafen murmelte er vor sich hin, dass alles gut werden wird...ich hatte solche Angst..
Dann ging es los...sie schoben mich aus dem Zimmer...ich wusste nicht, was mit mir geschieht...sie schoben mich in einen kalten hellen Raum, in dem ein silberner Metalltisch stand...dort sollte ich mich drauf legen. Er war so furchtbar kalt, dass ich am ganzen Körper zitterte...Auf Anweisung legte ich meine Beine in die Schienen...dann bekam ich die Maske auf und sollte bis 10 zählen...ich war noch nicht ganz weg, da merkte ich schon, wie etwas Kaltes in mich hinein drang...
Ich wachte im Aufwachraum wieder auf, total durchfroren...links und rechts von mir Trennwände und dahinter...stöhnende Frauen...Auch bei mir hörte kurz darauf die Narkose auf und ich hatte Schmerzen...
Ich hörte eine Uhr ticken...die ganze Zeit...tick...tack...aber ich sah sie nicht...als ich klingelte, kam eine Schwester...ich fragte nach Schmerzmitteln, brachte aber nur "Schmerzen" heraus, doch sie gab mir keine...so vergingen die schlimmsten 3 Stunden meines ganzen Lebens! Als ich dann endlich aus dem OP raus geschoben wurde, sah ich ihn endlich wieder...er war entsetzt, wie fertig ich aussah und fragte mich sofort, wie er mir helfen könne...ich brachte wieder nur "Schmerzen" und dieses Mal auch "kalt" heraus...er verstand sofort und suchte die nächste Schwester auf...wenig später kam er wieder mit einer Wolldecke und deckte mich zu...er legte sich wieder zu mir und nahm mich in den Arm...als er mir den Kopf küsste, fing ich an zu weinen...er wischte mir die Tränen weg und drückte mich noch fester an sich...Dann kam die Schwester und ich bekam endlich was gegen die Schmerzen.
Ich schlief ein...einige Stunden schlief ich und er blieb die ganze Zeit. Meine Mutter holte uns in der Zeit was zu Essen...Ich wachte wieder auf. Das erste was ich raus brachte war: "Das war falsch..." er nickte nur und nahm meine Hand. Wir dürfen gehen, sagte er, nur wenn du schon willst natürlich..."so schnell wie möglich" sagte ich..
Ich zog mich an, er nahm meine Sachen und wir gingen..Auf dem Gang kam uns meine Mutter entgegen...sie hatte mir ein Schokocroissant mitgebracht...ich nahm es und wir gingen zum Auto...Als uns meine Mutter nach hause fuhr flüsterte ich ihm ins Ohr: "hier will ich nie wieder hin! NIE!" er nickte..

Das ist am 03.07. dann 1 Jahr her...Dieses Ereignis wird mich auf ewig begleiten. Ich träume oft davon...manchmal schlecht...von der OP und den ganzen Schmerzen...aber auch oft gut...dann träume ich davon wie es jetzt wäre mit dem Baby...
Ich bereue diese Entscheidung und ich wünsche keinem diesen Druck bei der Entscheidung. Dennoch denke ich die Entscheidung war richtig, denn jetzt ein Kind haben...ohne Geld zu verdienen und ohne einen Abschluss...das wäre echt schwierig geworden.
Ich bin sehr dankbar darüber, dass mein Freund diese schwere Zeit mit mir durchgestanden hat...es war und ist auch für ihn nicht leicht. Wir sprechen nicht so oft darüber...dann schreibe ich Briefe an das Baby im Himmel...ich stelle mir vor, es schaut auf uns herab...wenn wir abends in die Sterne sehen, gibt es immer einen ganz hellen Stern...das ist "unser" Stern...

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