Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Berichte von Frauen

Mira

Zuerst möchte ich mich für diese sehr hilfreiche und neutrale Informationsseite bedanken. Es tut mir sehr gut, wertfreie und sachliche Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu lesen.
Zu meiner Situation: Ich bin 31Jahre alt, lebe in einer stabilen Beziehung mit meinem 5 Jahre jüngerem Freund und wir kommen aus Österreich. Wir verhüteten in den letzten 13 Monaten erfolgreich mit der Symptothermalen Methode. Durch einen Anwendungsfehler im letzten Zyklus kam es zu einer ungewollten Schwangerschaft. Für uns beide war dies ein Schock. Wir möchten gerne gemeinsame Kinder, jedoch nicht jetzt und generell sind Kinder momentan nicht oberste Priorität. Im Herbst planen wir einen Umzug in eine neue Stadt und für uns beide beginnt ein neues Leben mit Ausbildungen und neuen Arbeitsplätzen. Wir stehen also vor einem Neuanfang - ein Kind hätte unsere Pläne nicht einfacher gemacht. In den ersten Tagen mit Gewissheit über die bestehende Schwangerschaft haben wir über einen Abbruch gar nicht geredet, ja nicht einmal darüber nachgedacht. Erst langsam zogen wir diese Möglichkeit in Betracht und mussten uns ziemlich schnell eingestehen, dass ein Abbruch eine echte Alternative darstellt.
Die Entscheidungsfindung war dennoch alles andere als leicht. Wir haben viel miteinander geredet und abgewogen, doch irgendwie kamen wir immer zum Entschluss, dass es Momentan einfach ein ungeeigneter Zeitpunkt für uns ist. Wir fühlten auch keinerlei andauernde Freude über die Schwangerschaft. Unser Hauptgrund für den Abbruch war: Wir möchten einfach noch Zeit für uns als Paar und für uns als Individuen. Das Hauptargument gegen den Abbruch: Darf man als Mensch bewusst und so gravierend in das eigene Schicksal eingreifen?
Ich hatte den Termin zum chirurgischen Abbruch am 21.5.2016 in der Gynmed Ambulanz der Klinik in Salzburg. Zu diesem Zeitpunkt war ich in der 7. Schwangerschaftswoche. Mein Partner begleitete mich dort hin und war eine große Unterstützung. Dort angekommen war mir sehr mulmig zumute und ich fühlte mich sehr verunsichert. Die Frauen wurden nach der Reihe behandelt, ununterbrochen kamen neue Patientinnen hinzu. Das Personal war freundlich und sachlich, jedoch habe ich mir mehr Einfühlungsvermögen erwartet. Ich hatte das Gefühl, dass die Mitarbeiterinnen schon ziemlich "abgestumpft" waren und aus einer Routine heraus so agierten. Ich verlangte zum Beispiel, dass der Arzt den Monitor so dreht, dass ich den Embryo nicht sehn kann. Dies hat er zwar gemacht, jedoch konnte ich beim Aufstehen gerade auf den Bildschirm sehen und hab das Bild gesehen - wenn auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde. Das war ein Schock und ich werde das Bild wohl immer im Kopf haben.
Der Eingriff war unter Vollnarkose und ich habe überhaupt nichts gespürt oder sonst irgendwie mitbekommen. Nach ein paar Stunden konnte ich nach Hause. Schön war, dass mein Partner die ganze Zeit im Wartezimmer war. Meiner Meinung nach sollte der Partner auch bei den Gesprächen vor dem Eingriff dabei sein und vor allem beim Gespräch über die folgende Verhütung. Hier werden die Frauen ganz allein in die Verantwortung gezogen. Der Eingriff kostete uns 460€, die Krankenkasse bezahlt den Eingriff in Österreich nicht.
Am Tag danach ging es mir hervorragend. Mir war erstmals seit Wochen nicht mehr übel, ich konnte alles Essen und fühlte mich fit.
Die Tage darauf bekam ich jedoch einen psychischen Einbruch. Ich war sehr traurig, weinte viel und ich hatte Schmerzen. Außerdem begann die Nachblutung und ich fühlte mich angeschlagen. Natürlich sind diese Erlebnisse nicht schön, jedoch glaube ich, dass Trauer in diesem Fall sehr gesund ist und einen Verarbeitungsprozess in Gang bringt. Ich kann außerdem mit meinem Partner reden und spüre auch seine Traurigkeit. Wir geben uns jetzt die Zeit die es braucht um den Abbruch zu verarbeiten. Wir haben uns ein schönes Ritual ausgedacht und im Garten ein Pflänzchen eingesetzt, dem ungeborenen Kind einen Namen gegeben und somit einen Ort geschafften wo nun symbolisch etwas weiter wachsen darf.
Wir haben uns außerdem einem gemeinsamen Freund anvertraut - wir brauchten jemanden externen zur Beratung und zum reden. Unseren Eltern, bzw. Familien haben wir nichts erzählt, aus Sorge Sie zu kränken oder zu belasten.
Der Abbruch ist jetzt noch sehr zeitnah und bestimmt werden sich meine Empfindungen dazu wieder verändern. Ich vermute jedoch, dass ich mit der Zeit fest zu meinem/unserem Entschluss stehen kann und vielleicht irgendwann eine glückliche Mama werde.
Ich wünsche allen Frauen und Paaren, dass sie diese schwere Entscheidung gut tragen können und danach befreit von Lasten damit leben können!

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