Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Berichte von Frauen

Dina
Ich bin 44 Jahre alt, seit 2,5 Jahren mit jemanden zusammen, den man Partner nennen sollte.
Vor 3 Jahren wurde ich arbeitslos, lernte den Menschen kennen, der auch gleich bei mir einzog. Er lebt noch in Scheidung und hat 2 Kinder. Mit einem davon stehen wir mehr in Kontakt, der andere hat alle Bezüge zu seinem Vater abgebrochen. Im Juni diesen Jahres hatte ich das Glück, eine gut bezahlte Arbeit zu bekommen. Allerdings erst mal mit einem befristeten Arbeitsvertrag von einen Jahr.
Als ich Anfang letzter Woche immer noch nicht meine Periode bekam, blieb ich noch gelassen, da es hieß, dass ich nicht schwanger werden könnte. (Meine Einredung war, von Idioten werde ich auch nicht schwanger). Am Dienstag fiel mir ein, dass ich einen Schwangerschaftstest, den ich vor 10 Jahren mal kaufte, immer noch aufgehoben hatte und machte den gleich. Ich musste nicht lange warten und es erschienen 2 Striche. Ab da zitterte ich am ganzen Körper und rief sofort bei meiner Frauenärztin an. Ich bekam auch gleich einen Termin. Unterwegs machte ich mir einen Kopf, wie, was, warum? Per Whatsapp schrieb ich meiner vertrauten Schwester und schilderte ihr meine Lage. Es kam, dass sie sich freute, aber möchte, dass es mir gut geht. Im Warteraum rief mein Partner an. Ich wollte ihm erst mal nichts sagen, aber irgendwie fand ich es verlogen, also sagte ich ihm, was los ist. Darauf kam ein Lachen und dass er gespannt ist, was seine Ex Frau dazu sagt und dass, wenn es ein Mädchen wird, sie sich schwarz ärgern würde. Mir blieb bei der Antwort die Spucke weg.
Die Ärztin fragte mich nach dem Grund meines Kommens und ich schilderte ihr meine Sachlage unter Tränen. Es war ein Gefühl der Selbstvorwürfe, sogleich vermischt, dass ich ja schon mein möglichstes tue, um diese Situation zu ändern. Sie untersuchte mich, bestätigte mir die Schwangerschaft und gab mir den Kontakt von ProFamilia. Beim verlassen der Praxis rief ich da auch an und bekam für Nachmittags auch gleich einen Termin. Das Gespräch verlief mit vielen Tränen und keiner Einsicht, dass ich es schaffen könnte. Zuhause war mein Partner gerade mit Freunden dabei, an seinem Auto zu schaffen, es fand auch kein Gespräch statt. Ich kenne es auch nicht anderes und überlegte mir weitere Schritte. Positiv wie negativ. Am nächsten Morgen entschied ich mich für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch. [...]Ich telefonierte, wer das macht und ob ich noch einen Termin bekommen könnte.
Bis Donnerstag stand alles wieder mal nicht richtig fest und dann kam doch noch der Anruf von der einen Praxis. Ich könne am Freitag zum Gespräch erscheinen, was ich auch tat. Der Arzt selber sagte, dass er das durchführt und klärte mich umfangreich auf. Ich bat ihn um Stillschweigen und dass es keiner mitbekommen sollte. Zuhause informierte ich kurz meinen Partner und er meinte, ich soll mal abwarten und er hätte schon einen Mädchennamen für das Kind. Ich konnte nicht abwarten, denn in meinen Bauch wächst etwas und ich weiß nicht, ob ich es bei einem Herzschlag weg machen kann. Die Abende von Dienstag bis Samstag verbrachte mein Partner mit Freunden und Alkohol. Sein Sohn war zwar auch hier, aber den nimmt er mit zum Umtrunk. Ich kochte Samstag noch, weil ich meinte, dass man nochmal zusammen spricht, aber er und sein Sohn kamen nicht. Am Sonntag wollte er, dass ich mit ihn und seinem Sohn auf einen Weihnachtsmarkt fahren. Ich sagte ihm, dass sie alleine fahren sollen. Dann platze die Bombe. Er sagte, er kommt auf jeden Fall mit zum Arzt am Abend und ich sollte meiner Schwester absagen. Ich schrie ihn an, dass ich ihn angetrunken nicht mitnehme und verließ die Wohnung. Unterwegs klingelte mein Handy, er sagte, ich soll nach Hause kommen, weil er und sein Sohn mit mir zum Weihnachtsmarkt wollen. Ich schrie wieder ein Nein und dass er auch 5 Tage Zeit hatte, sich über diese Situation Gedanken zu machen. Mir war schlecht, ich zitterte und beschloss nach Hause zu fahren. Da angekommen, meinte er, dass er seinem Sohn sagen wird, was hier los ist. Darauf meinte ich, dass der Junge schon genug mitmacht. Ich sagte noch, dass ich gehen werde und Weihnachten für uns gelaufen ist. Soll er sich eine andere Putzfrau und Köchin suchen. Für ihn ist meine Schwangerschaft nur deshalb gut, weil er sich damit mit Federn schmücken kann. Er, 47 Jahre, da ist noch was drin in seinen Samen... Am Abend fuhr er dann doch mit zum Arzt, das war die allerletzte Chance, die ich ihm geben wollte. Er erzählte mir unterwegs nur von seiner Ex und deren Geburten. Der Arzt untersuchte mich nochmal und bestätigte die Schwangerschaft. Ich sah kurz auf den Bildschirm konnte aber nichts erkennen. Mein Partner meinte, dass es die dunkle Stelle ist, schließlich kennt er sich ja aus. Der Arzt meinte nein, das ist es nicht. Schliesslich teilte mein Partner auch ihm noch die Geschichten seiner Ex mit und ich drängte zu den ersten Tabletten. Danach sollte ich noch warten, ob ich die vertrage. Nach 15 min. konnte ich gehen. Das war am Sonntag.
Gestern Montag hatte ich die üblichen Schwangerschaftssymptomschmerzen. Das heißt Rückenziehen, Speichelfluss und leichte Übelkeit. Meine Arbeit konnte ich trotz des Weihnachtsstress gut erledigen. Als ich nach Hause kam, machte mein Partner das erste Mal Essen warm. Wir saßen am Tisch und er fragte, ob ich am nächsten Tag die Filets mache. Ich sagte, ich weiß nicht, wie ich mich da fühle und wie lange es dauert. Darauf wurde er wieder motzig und ich verließ die Wohnung und fuhr zu meiner anderen Schwester, die bis heute davon nichts weiß. Als ich abends nach Hause kam, lag er auf dem Sofa, unsere Unterhaltung belief sich auf Kindergartenkosten. Seine Worte waren: Also, wenn ich mit meinen 1200 Euro netto ein Kind ernähren wollte, da müsste ich schon mal für die Kinderkosten 600 Euro übrig haben.
Das war es endgültig. Dass ich hier Miete zahle, seine Wäsche wasche und selbst seine Schlüpfer bügle, Essen koche, seinen Sohn unterstütze, für seine Firma Fahrten erledige. Er, wenn er bei mir nur einen Reifenwechsel vornimmt, 10 Euro verlangt.... Es reicht und mein Entschluss ist für mich richtig gewählt. Es tut mir leid um das, was da bei mir wuchs. Vielleicht hätte es eine Chance gehabt, nur, ich möchte niemals für mein Kind, dass es in solch einer Situation aufwächst, die Folgen wären meiner Meinung nach schlimmer.
Heute um 10 Uhr habe ich den letzten Termin, um die nächsten Tabletten verabreicht zu bekommen.
2 Wochen später:
Ich blieb bis 14 Uhr in der Praxis. Die Arzthelferinnen waren sehr nett und vermittelten einen neutralen Bezug zum Geschehen. Ich war ganz ruhig, fasste auf meinen Bauch und verabschiedete mich gedanklich von dem, was in mir war. Trauer, Wut und Hoffen auf ein Verständnis... es war von jedem was dabei. In der Praxis geschah dann nichts weiter. Hatte kein Ziehen und meine Blutung war auch nicht da. Ich durfte dann nach Hause fahren. Ich erledigte gefühlslos die Hausarbeit. Gegen 18 Uhr kam es zu einer leichten Blutung und auf der Binde sah ich so eine Art Gewebe. Ich wischte dieses mit einem Tuch ab und begrub dieses Tuch im Garten. Anschließend legte ich einen Stern darauf. Für mein Sternchen. Tagsüber stehe ich dem Ganzen selbstsicher gegenüber, aber abends, oder wenn ich alleine bin, heule ich manchmal und mache mir Selbstvorwürfe... 
Die Nachuntersuchung am 30.12. ergab, dass soweit alles entfernt ist.
Ob diese Entscheidung die richtige war... das steht in der Zukunft und dafür ist jeder selbst verantwortlich. Es gibt genug Kinder, die eine seelische Störung haben, weil die Eltern einfach nicht zusammenpassen. Übrigens hat es der Spezi bald allen erzählt, was ich getan habe. Leider fragt bis heute keiner warum... ! ? Ausgenommen, meine Schwester!
Ich finde, es müsste sich auch etwas an den befristeten Arbeitsverträgen ändern, aber wahrscheinlich würden dann gar keine Frauen mehr eingestellt.

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